Nach zwei schwachen Quartalen wächst die Schweizer Wirtschaft wieder deutlich stärker als erwartet. Das ist die gute Nachricht. Sie lässt erwarten, dass es für die grosse Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung weiterhin genügend Jobs geben wird und dass in der näheren Zukunft hier und dort wieder höhere Löhne möglich werden.

Doch die Wirtschaft wächst auf dünnem Eis. Das ist die schlechte Nachricht. Zu viel hängt im Exportsektor an der Pharmaindustrie, die mit rund 50 000 Angestellten nur etwa einen Sechstel so viel Personal beschäftigt wie die traditionelle Industrie, in der es um Technik und Mechanik geht.

Hier scheinen sich die Aussichten nach einem guten Jahr bereits wieder zu verdüstern. Bei vielen Unternehmen dürfte die Investitionslücke, die sich durch die verlustreichen Jahre nach dem Frankenschock von 2015 aufgetan hat, noch immer nicht geschlossen sein. Diese Firmen sind für einen neuerlichen konjunkturellen Rückschlag besonders verletzlich.

 Hinzu kommt, dass die Frankengeissel die Spezialisierung der Unternehmen so weit vorangetrieben hat, dass aus Schweizer Hand vielerorts nur noch die höchstwertigen Angebote konkurrenzfähig sind. Das zeigt sich zum Beispiel besonders deutlich in der Uhrenindustrie, wo ausländische Kunden zwar kräftig mechanische Zeitmesser aus dem Luxussegment nachfragen, die günstigeren Uhren aus Schweizer Produktion aber zunehmend links liegen lassen. Auch dieser Trend macht die hiesige Wirtschaft anfälliger für Krisen.