Der Einbruch des Wirtschaftswachstums in der Schweiz kommt überraschend. Das Staatssekretariat für Wirt- schaft (Seco) vermeldete gestern einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent gegenüber dem Vor- quartal. Nach der düsteren Prognose, die tags zuvor von der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, verbreitete wurde, ist die Nachricht des Seco ein umso grösserer Schock.

Bricht die Wirtschaft nun ein, kommt es gar zu einer Rezession? Einige Kommentatoren vermitteln tatsächlich diesen Eindruck. So schrieb ein Bankanalyst, dass die rasante Fahrt der Schweizer Wirtschaft «jäh im Strassengraben» geendet sei. Allerdings, mit Zahlen und Statistiken ist es immer so eine Sache. Wie irreführend die Seco-Zahlen bisweilen sind, zeigt sich gerade im abgelaufenen Quartal.

So hat für die Abkühlung der Wirtschaft ausgerechnet der Hitzesommer gesorgt. Winterkleider werden dieses Jahr später eingekauft. Zudem hat die mit der Wasserknappheit einhergehende Drosselung der Wasserkraft ebenfalls negativ auf den Gesamtwert der erbrachten Güter durchgeschlagen. Für einen weiteren Sondereffekt haben zudem die Sportevents wie die Fussballweltmeisterschaft und die Winter-Olympiade gesorgt, die das Schweizer BIP kurzfristig verzerren.

Und trotzdem: Blickt man durch den Seco-Zahlensalat, lässt sich unschwer übersehen, dass die Konjunktur in der Schweiz – und anderswo – nachgelassen hat. Das Wachstum ist zwar noch da, aber es wird schwächer.