Apropos

Schwamm drüber

Es gibt Menschen, die hassen Schwämme. Sie hassen Lappen. Sie hassen Staubsauger.

Es gibt Menschen, die hassen Schwämme. Sie hassen Lappen. Sie hassen Staubsauger.

Es gibt Menschen, die hassen Putzen. Die versinken langsam in ihrem eigenen Dreck, ohne dass sie es merken. Oder sie merken es, aber es ist ihnen egal. Kalkflecken? Egal. Zahnpastaspuren? Egal. Striemen am Spiegel? Egal. Speiseresten auf der Herdplatte? Egal. Staub überall? Egal. Was für diese Menschen zählt, ist, dass sie nicht putzen müssen. Sie hassen Schwämme. Sie hassen Lappen. Sie hassen Staubsauger. Und zwar so sehr, dass sie den Dreck um sich herum einfach schönreden. Sie finden, eine Staubschicht habe Stil. Sie verleihe den Möbeln das gewisse Etwas. Gehöre zum Shabby-Chic dazu. Bei den Kalkflecken reden sie sich ein, dass sie innert kürzester Zeit wieder da wären, putzen also Zeitverschwendung wäre. Und Zeit hat heute niemand. 

Aber eigentlich haben sie kapituliert. Den Staubwedel ins Korn geworfen. Und wie das so ist, verpassen sie etwas. Putzen hilft. Kalkflecken besprühen, Haare aus dem Abfluss klauben, Duschbrausen einweichen. Schrubben, waschen, fegen. Die Bewegungen sind repetitiv, der Fokus ganz im Jetzt. Ganz am Schluss polieren, bis es glänzt. Das Gesicht im sauberen Spiegel lächelt. Nicht nur, weil alles wieder sauber ist. Sondern auch, weil vieles nur noch halb so schlimm erscheint. Wer hat genervt? Warum war ich den Tränen nahe? War es wirklich so schlimm? Eigentlich nicht. Schwamm drüber!

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