Meiereien

Schritte im Handy

Symbolbild/Archivbild

Auch das Handy des Autors zählt seine Schritte. Immer und überall.

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Handys können heutzutage fast alles. Dass sie das auch ungefragt tun und dann sogar zu kleinen Verrätern mutieren, das erstaunt unseren Autoren dann doch.

Nach der Wanderung sassen wir zufrieden in der Beiz. Da konsultierte ein Wanderkamerad sein Handy und sagte anerkennend: «19 247 Schritte. Nicht schlecht.» Sofort zückten ringsum die anderen Männer ebenfalls ihre Handys, meldeten dann ähnliche Zahlen. Ich war beeindruckt. Nicht nur über die geleisteten Schritte, sondern mehr noch über die Tatsache, dass die alle Handys haben, die auch noch die Schritte zählen.

Sie lachten mich aus und sagten, das tue mein Handy doch auch. Was ich natürlich energisch bestritt. Der IT-Crack lächelte milde, bat mich um mein Handy und zeigte mir, wo sich der Schrittzähler versteckt. «Ou, verreckt», sagte ich oder etwas Ähnliches. Denn das fiese kleine Gerät hatte tatsächlich alle meine Schritte gezählt und aufgezeichnet. Und das seit Monaten.
Hatte Distanzen ermittelt und Tagesdurchschnitte errechnet. Und ich hatte nichts davon gewusst. Mit Schrecken erkannte ich die vielen Tage, an denen ich mich, laut dem trojanischen Schrittzähler, praktisch gar nicht bewegt habe.

Da fragte der IT-Crack, bei welcher Krankenkasse ich versichert sei. Ich nannte den Namen. Er nickte wissend und sagte: «Deine Krankenkasse macht beim Pilotprojekt des Bundes mit. Dein Handy übermittelt täglich deine Schrittdaten direkt an die Krankenkasse. Wie fleissig du dich bewegst, wird schon bald Einfluss auf die Prämien haben.» Dann schaute er nochmals auf meine Daten auf dem Display: «Im Moment sieht das gar nicht gut aus für dich.»

Verunsichert schaltete ich mein Handy aus und steckte es hastig in die Tasche. «Das nützt dir nichts», sagte der Crack, «der Schrittzähler zählt immer weiter. Sogar, wenn der Akku leer ist.»
Ringsum nickten alle.

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