Apropos

Schon Kleine schätzen richtig ein

(Symbolbild)

(Symbolbild)

Es war einer jener schon fast unverschämt schönen Vorfrühlingstage im Februar. Beschwingten Schrittes marschierte ich durch die Stadt. Was ein paar Sonnenstrahlen, ein bisschen Vogelgezwitscher, ein paar Grad Celsius mehr ausmachen! Man fühlt sich wie einst im Mai und könnte Bäume ausreissen. Die rote Ampel am Fussgängerstreifen stoppte mich und kurz darauf neben mir eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter an der Hand. Das Mädchen musterte mich neugierig und ausgiebig und sagte:

«Grosspapi.»

Ich war verdutzt.

«Nein», sagte die Mutter, «Maa».

«Grosspapi», beharrte das Mädchen und zeigte mit ihrem kleinen Finger auf mich.

Die Mutter schaute mich ein bisschen verlegen von der Seite an und meinte: «Sie sehen ihrem Grosspapi überhaupt nicht ähnlich». Das war, das muss ich zugeben, ein schwacher Trost.

«Scho guet», lächelte ich, strich mit der linken Hand durch die schütteren, grauen Haare und winkte der Tochter mit der rechten zu.

Die Ampel sprang auf Grün. Man sollte die Einschätzungen der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen, dachte ich mir beim Weitergehen. Das gilt nicht nur bei grauen Haaren, sondern auch – beispielsweise – bezüglich Klimaschutz und Umwelt. Irgendwie, schien mir, waren meine Schritte nicht mehr so federnd wie vor der Ampel.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1