Bis zu zwei Millionen Franken verdienen Chefärzte in Universitäts- und Kantonsspitälern der Nordwestschweiz. Dies sagen Szenekenner. Offizielle Angaben dazu gibt es kaum. Die Saläre von Chef- und Spezialärzten halten Klinikbetreiber unter Verschluss. Das muss ein Ende haben.

Denn die heutigen Lohnsysteme für Spitalärzte schaden den Patienten. Das räumen selbst Gesundheitsdirektoren ein. Spitzenmediziner kassieren nämlich mehr Geld, wenn sie mehr Operationen durchführen oder andere Leistungen verordnen.

Sie haben also einen monetären Anreiz, selbst medizinisch nicht notwendige Leistungen zu erbringen. Davon profitiert selbstredend auch ihr Arbeitgeber, die Klinik. Das sei gemäss ihrer Definition Korruption, sagt der Gesundheitsökonom Heinz Locher, Beirat der Antikorruptionsorganisation Transparency International.

Aus der Sicht der Patienten und der Prämienzahler ist es also höchste Zeit, für Transparenz zu sorgen und offenzulegen, was Spitzenärzte wirklich verdienen. Das alleine genügt nicht: Die Lohnsysteme als Ganzes müssen überarbeitet werden.

Das heisst auch: Weniger ist mehr. Rauf müssen die Grundsaläre, die oft den kleineren Teil des Einkommens darstellen. Variable Anteile darf es nur geben, wenn sie an Qualitätskriterien geknüpft sind. Belohnt werden soll ein Arzt, der weniger Reoperationen hat, weniger Spitalinfektionen auslöst oder die Patientenzufriedenheit steigert. Denn es widerspricht dem Eid des Hippokrates, oder schlichter der Ethik, eine Operation durchzuführen, nur weil sie mehr Geld bringt.