Man kennt das: In Ausnahmesituationen kommen wildfremde Menschen miteinander ins Gespräch. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid. Zum Beispiel wenn der Zug eine gefühlte Ewigkeit in der Pampa stehen bleibt. Oder im Warteraum der Notaufnahme eines Spitals.

Da ist die Frau Mitte fünfzig. Bereitwillig erzählt sie, dass sie am Vormittag zwei Nachsorgetermine im Spital hatte und dann einen Anruf bekam: Ihr Vater sei notfallmässig eingeliefert worden. Das Herz! Erst vor wenigen Wochen sei die Mutter gestorben.

Gut möglich, dass der Mann die Aufregung nicht verkraftet habe. Oder der Handwerker, der tags zuvor wegen Rückenproblemen in einer anderen Klinik untersucht worden war und nun überraschend in die Notaufname aufgeboten wurde.

Der junge Mann macht sich offensichtlich mehr Sorgen über seine verpassten Termine als über seine Gesundheit. Und dann ist da noch die Mittdreissigerin samt kleinem Sohn und Mutter. Aufgeregt redet sie in ihr Handy: «Es ist alles in Ordnung. Er ist im Notfall. Jetzt hör mir doch zu, Lisa. Nein … beruhige dich. Lisa! Liiisaaa – hör zu. Sonst liefere ich dich gleich auch noch hier ein. Liiiisaaa!!!»

Sie bricht das Gespräch ab und wendet sich an die Wartenden: «Kann man hier auch Leute mit psychischen Problemen abgeben?» Schicksale in der Notaufnahme.