Apropos

Rollentausch

«Mit diesem Anzug hätten Sie den Mann zur Tat verleiten können, finden Sie nicht auch?»

«Mit diesem Anzug hätten Sie den Mann zur Tat verleiten können, finden Sie nicht auch?»

Eine Befragung nach einem Raubüberfall auf einem Polizeiposten. Auf der Seite der Polizei eine Frau, das Opfer ein Mann. Die Fragen: klischiert. Die Antworten: entlarvend.

Fühlen Sie sich etwas besser?» – «Nicht wirklich», antwortet der Mann. Er sitzt an einem Tisch, vor ihm eine Tasse Kaffee, gegenüber eine Frau. Die Frau ist Polizistin und stellt dem Mann Fragen.

«Können Sie den Mann beschreiben, der Sie überfiel?», will die Frau von ihm wissen. Er beschreibt den Mann. Mit einem Messer am Hals habe er ihn bedroht und ihm Handy und Portemonnaie abgenommen. «Trugen Sie diesen Anzug, als der Vorfall passierte?», fragt ihn die Frau weiter. Ja, den habe er getragen, gibt der Mann zur Antwort. Die Frage verwirrt ihn. «Ich frage Sie das, weil Sie provozierend wohlhabend ausschauen so. Das wirkt einladend. Als ob es sich lohnen würde, Sie zu überfallen.»

Der Mann schaut hilfesuchend in den Raum. «Sie scheinen aufgeregt. Ich rufe besser eine Kollegin hinzu.» Eine zweite Frau betritt den Raum. «Oh je», sagt sie. «Haben Sie getrunken? Diese Frage ist wichtig. Denn wenn Sie betrunken waren, sandten Sie vielleicht verwirrende Signale aus. Zusammen mit diesem Anzug hätten Sie den Mann zur Tat verleiten können, finden Sie nicht auch?»

Der Mann fängt an, sich zu erklären. Da sei ja ein Messer gewesen, eine ernsthafte Bedrohung durch den Täter. Ob er denn geschrien habe, fragen die Frauen weiter. Ob er sich auch eindeutig gewehrt habe. «Ich hatte Angst», gibt der Mann zur Antwort. Dann sagt er nichts mehr.

Dieser Artikel ist angelehnt an einen TV-«Sketch» auf «bbc» vom März 2017. 

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