Fliegen Sie gerne mal für ein verlängertes Wochenende nach London? Schmecken Ihnen die Grapefruits aus Florida auch vorzüglich? Und haben Sie sich das letzte Mal bei der Suche nach einer neuen Wohnung bewusst für etwas mehr Platz entschieden? Wenn Sie die Fragen mit «Ja» beantwortet haben, tragen Sie – wie wir praktisch alle – höchstwahrscheinlich dazu bei, dass wir hierzulande über unseren Verhältnissen leben. Würde jede Person auf der Welt so viele natürliche Ressourcen verbrauchen wie die Menschen in der Schweiz, wären drei Erden notwendig.

Es ist dieses Konzept des ökologischen Fussabdrucks, auf dem die Volksinitiative «Grüne Wirtschaft» basiert. Gemäss Initiativtext soll der Fussabdruck in der Schweiz so reduziert werden, dass er auf die Weltbevölkerung hochgerechnet eine Erde nicht überschreitet – und zwar bis spätestens im Jahr 2050. Genau auf diesen Aspekt des noch fernen Stichdatums setzen die grünen Initianten. Denn mit unserem aktuellen Ressourcenverbrauch braucht es einen gehörig asketischen Lebensstil, um die Zielgrösse heute schon zu erreichen. Selbst Bastien Girod, Zürcher Nationalrat der Grünen und Wortführer der Initiative, hat gemäss eigenen Angaben derzeit einen Fussabdruck von etwa zwei Planeten.

Niemand weiss, wie schnell neue Technologien entwickelt werden

Bis 2050 aber, so das Argument der Initiativ-Befürworter, werde sich die Technologie derart entwickeln, dass wir auch ohne schmerzhafte Einschränkungen unseres Lebensstandards die Zielsetzung erreichen. In der Tat war gerade in den letzten Jahrzehnten das Tempo der Digitalisierung so atemberaubend hoch, dass Vorhersagen kaum je zutrafen. Vor 34 Jahren – also derselben Zeitspanne, wie sie die Initiative vorsieht – wurde der Commodore 64 lanciert, dessen Leistung heute jedes Handy locker übertrifft. 

Gleichzeitig haben technologische Erneuerungen oftmals zur Folge, dass sie häufiger konsumiert werden. Ein Flugzeug segelt viel effizienter durch die Lüfte als noch vor Jahrzehnten, dennoch hat der Schadstoffausstoss der Luftfahrt zugenommen – weil wir dank günstigen Konditionen, bedingt auch durch den tiefen Erdölpreis, regelmässiger fliegen.

Von einem Ja zur Initiative wären aber nicht nur die Konsumenten betroffen, sondern – in grösserem Ausmass – die Wirtschaft. Sie müsste ihre Produktion anpassen, um die Zielsetzung zu erreichen (dass angenommene Initiative mit klaren Richtgrössen wie etwa die Alpen-Initiative schlicht nicht umgesetzt worden sind, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt). Das aber geht, technologischer Fortschritt hin oder her, voraussichtlich nur mit einschneidenden Massnahmen, die staatlich verordnet werden müssten. So schreibt der Initiativtext vor, dass der Bund «zusätzliche Massnahmen ergreift», sofern die Wirtschaft die Ziele nicht selbst erreicht. Zusätzlich erhalten die Behörden ausdrücklich die Kompetenz, steuerliche Anreize zu schaffen und gar «Vorschriften für Produktionsprozesse» zu erlassen. Dass das Kosten und damit potenzielle Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsicherheit hat, liegt auf der Hand.

Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft

Wäre der Bund in Bezug auf einen nachhaltigeren Umgang mit den natürlichen Ressourcen untätig, wäre eine stärkere Reglementierung zu begrüssen – doch dem ist nicht so. Seine Energie- und Klimapolitik hat jüngst zumindest einen grünen Anstrich gekriegt. Letzten Dezember hat sich die Schweiz in Paris zu ambitionierten Klimazielen verpflichtet und gerade nächste Woche behandeln die Räte die Energiestrategie 2050 erneut. Diese will die Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien fördern. 

Auch wenn viele externe Kosten (noch) nicht auf die Verursacher zurückfallen, hat die Wirtschaft zumindest langfristig ein ureigenes Interesse daran, mit den Ressourcen effizient umzugehen. In dieser Optik erscheint das in der Initiative festgeschriebene Stichdatum nicht opportun. Der Weg, den die Initiative verlangt, wird auch bei einer Ablehnung der Initiative beschritten – vielleicht etwas weniger schnell, je nach technologischer Entwicklung vielleicht gar schneller, sicher jedenfalls mit Seitenblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Dass wir nun alle – und damit sind ausdrücklich auch Wirtschaftsvertreter gemeint – unseren Umgang mit den natürlichen Ressourcen wieder mal kritisch hinterfragen, ist den Initianten zu verdanken. Ihre Vorlage jedoch ist zu ambitioniert.