Vorerst möchte ich Transparenz schaffen: Ich bin Medienfrau, ich bin Lenzburgerin und als solche auch noch Ortsbürgerin. Es schlagen verschiedene Herzen in meiner Brust. Alle begrüssen die vom Stadtrat vorgestellte Verwaltungsreform.

Zur Neuorganisation der Ortsbürgergemeinde (OBG) hingegen driften die Meinungen je nach Blickwinkel stark auseinander. Für Medienschaffende und Lenzburgerin sind die stadträtlichen Überlegungen nachvollziehbar: Auch mit der Professionalisierung der OBG soll der Verwaltungsapparat nicht weiter aufgebläht werden. Die Einwohnergemeinde übernimmt für die Ortsbürger Verwaltungsaufgaben, wofür diese ein Entgelt bezahlen. Das freut die Steuerzahlerin.

Als Ortsbürgerin bin ich von der vorliegenden Lösung jedoch wenig begeistert: Wenn man sich schon die Mühe nimmt, ein langjähriges Konstrukt zu überdenken, dann hätte ich mir für die Ortsbürger etwas mehr Aufbruchstimmung gewünscht. Ich vermisse den klaren Innovations-Willen. Die OBG Lenzburg erfreut sich bester Gesundheit und grosser Beliebtheit: Deshalb wäre ein Zeichen von Eigenständigkeit auf der operativen Ebene angebracht. Über alles wurde jedoch das Finanzargument gestülpt. Das ist schade und eher mutlos.

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