Wenn eine Kolumne am 2. August erscheint, wird allgemein wohl erwartet, dass der Nationalfeiertag den Inhalt der Kolumne prägt. Sie vermuten also Gedanken zu meinen Heimatgefühlen, zur Migration, der Herausforderung «Europa», zum Reset-Button von Bundesrat Ignazio Cassis, zur «Roten Linie» bei den flankierenden Massnahmen oder zur notwendigen Erhöhung des Frauenrentenalters, um die AHV langfristig finanzieren zu können.

Ich tue es nicht. Zum einen werden Sie schon genügend Reden oder Leitartikel zum 1. August gelesen oder gehört haben. Zum Zweiten gebe ich ehrlich zu, dass erzwungene Überlegungen zum Nationalfeiertag nicht meine Sache sind, und drittens befinde ich mich in den Ferien. In einem der Kantone, wo ein absolutes Feuerverbot im Freien verhängt wurde und die Feuerwehr ihre Kontrollgänge machte, um sich von der Einhaltung des Verbots zu überzeugen.

Mit der Feuerwehr machte ich während unserer Ferien meine Erfahrungen. Allerdings gute. Und weil ich nach wie vor in Ferienstimmung bin und mich nicht mit schwerer Kost beschäftige, mache ich diese gute Erfahrung zum Inhalt dieser Kolumne.

Unser Ferienhäuschen befindet sich ziemlich abgelegen in der Höhe, ungefähr dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Füchse und Hasen sind auch Dauergäste in unserer Umgebung. Die Zufahrt ist nur über eine nicht asphaltierte Strasse möglich. Wer uns ohne Umwege findet, beweist einen selten guten Orientierungssinn.

Begrüsst am ersten Abend in unserem Häuschen wurden wir von Wespenschwärmen aufgrund zweier Wespennester. Das eine in der kleinen Wiese, auf der ich gerne stundenlang sitze, auf den ganzen grossen Schweizer See schaue und die Seele baumeln lasse. Was natürlich nicht möglich ist, wenn die Wespen sich in ihren unterirdischen Gängen ihren Weg zur Königin suchen. Das andere Nest beim Hintereingang. Also blieb nichts anderes übrig, als am nächsten Tag um Hilfe zu bitten, nämlich die Regiwehr (auch hier sind Gemeindefusionen bzw. wenigstens der Feuerwehren an der Tagesordnung).

Ich rief morgens um 7.45 Uhr an, der Kommandant antwortete sofort. Muss er ja, als Feuerwehrchef. Mein Anliegen war zwar ein anderes, aber in diesem Moment doch auch ein wenig überlebenswichtig. Was er verstand und mich an den Herrn verwies, der für die Wespennester zuständig ist, den stellvertretenden Geräte- und Materialchef. Auch er antwortete sofort, als ich ihn anrief. Er sicherte mir zu, zwischen 9.30 und 10 Uhr bei uns zu sein. Er werde den Weg schon finden. Aber, meinte er bedauernd, er müsse 200 Franken dafür verlangen.

Punkt 9.50 Uhr fuhr er mit seinem kleinen Feuerwehrfahrzeug den steilen Weg zu uns hinauf, begleitet von seinem Kollegen. Das unterirdisch gut vernetzte Wespennest fand er höchst spannend, er erklärte mir im Detail, wie das zustande gekommen sei und wie er es zu vernichten gedenke. Das zweite Wespennest war weniger interessant, da gang und gäbe. Eine halbe Stunde später war der Spuk vorbei. Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten, der Kollege erzählte mir, dass er eigentlich in dieser Gegend aufgewachsen sei und wer immer noch in der Gegend wohne, seit wir das Haus vor über 50 Jahren erstanden haben.

Mich plagte nach dieser positiven Erfahrung ein wenig das schlechte Gewissen. Schliesslich hatte ich während der kurzen Zeit, in der ich auf den Geräte- und Materialchef gewartet hatte, eine private Insektenvertilgungs-Firma gegoogelt, die auf ihrer Homepage den Service der Wespenvernichtung ebenfalls anpreist. Weil ich doch nicht ganz überzeugt war, ob die Regiwehr wirklich kommen würde, rief ich dort an. Ja, natürlich kämen sie vorbei. Die Vernichtung eines Wespennestes koste 275 Franken, zwei kämen auf 350 Franken zu stehen. Hinzu käme eine Inspektion (das heisst, es sei nicht mal sicher, dass die Nester dann auch gleich vernichtet würden) für 150 Franken und dann kämen natürlich noch die Wegkosten hinzu. Und, weil sie momentan viel zu tun hätten, müsste ich mich zwei bis drei Tage gedulden.

Es fällt mir schwer, als Liberale einzugestehen: die freie Marktwirtschaft überzeugt nicht immer. Das Milizsystem hingegen schon.