Wer sich in der Gegenwart verloren fühlt, sucht Trost in der Vergangenheit. Blickt zurück auf verflossene Momente des Glücks, die in der Retrospektive noch ein bisschen süsser erscheinen, als sie tatsächlich waren. Diesen Mechanismus machen sich nicht nur Politiker, sondern immer häufiger auch Filmemacher zunutze. So wächst die Liste der Disney-Neuauflagen so rasant wie nie. Allein heuer sind mit «Dumbo», «Aladdin» und «Der König der Löwen» – aktuell an der Spitze der Deutschschweizer Kinocharts – gleich deren drei erschienen. Ein Klassiker wie «101 Dalmatiner», der nächstes Jahr in die Kinos kommt, wird gar bereits zum zweiten Mal rezykliert.

Dabei spielt Disney bewusst mit der Illusion, Glückserlebnisse liessen sich unendlich wiederholen – das Lustprinzip lässt grüssen. Und doch musste ich jüngst, als ich die komplett emotionsfreie 3D-Kopie des einst so geliebten und bewunderten Löwenjungen Simba wiedersah, ernüchtert feststellen, dass Recycling bei Kindheitserinnerungen leider nur bedingt funktioniert.