Es ist eine Rangliste, bei der niemand an der Spitze stehen will: die Statistik, die zeigt, wo die Sozialhilfequote am höchsten ist. Vor einem Jahr freute sich Martina Bircher, SVP-Grossrätin und Sozialvorsteherin in Aarburg, dass ihre Gemeinde den ungeliebten ersten Platz abgeben konnte. Der Rückgang sei eine Bestätigung für die harte Arbeit, die in der Gemeinde geleistet werde. Innert zweier Jahre solle die Quote unter 5 Prozent sinken, längerfristig unter 4 Prozent.

Doch der Trend geht in die andere Richtung, Aarburg ist zurück an der Spitze, die Quote von 5,2 auf 6,1 Prozent gestiegen. Bircher fährt bei der Sozialhilfe eine harte Linie. Sie will die Ansätze im Aargau auf das Existenzminimum reduzieren und Personen die Aufenthaltsbewilligung entziehen, die jahrelang viel Sozialhilfe beziehen. Für ihre Vorstösse erntet sie oft heftige Kritik von links, so fragte SP-Nationalrat Cédric Wermuth im Februar, was Aarburg denn für die Arbeitsintegration von Sozialhilfebezügern unternehme.

Wermuth schrieb in seinem Blog, man könnte seine SP-Kollegin Petra Huckele in Oberentfelden fragen, wie man das mache. Dort läuft seit 2015 das Pilotprojekt «Lohn statt Sozialhilfe», nach dem ersten Jahr meldete die Gemeinde, zwei Sozialhilfebezüger seien in den normalen Arbeitsmarkt integriert worden.

Schadenfreude über den Rückschlag für Martina Bircher in Aarburg ist aber ebenso wenig angebracht wie Begeisterung über das Modell von Petra Huckele in Oberentfelden. Seit dem Start des Projekts, das auf drei Jahre befristet ist, stieg die Sozialhilfequote dort nämlich von 4,3 auf 4,6 Prozent an.

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