Wer, bitteschön, ist Heinz Huber? Und haben Sie schon einmal von Roberto Cirillo gehört? Auch erfahrene Wirtschaftsjournalisten mussten die beiden Namen googeln, als sie erfuhren, wer neuer CEO der Raiffeisen (Huber) und der Post (Cirillo) wird. Zwei der wichtigsten Schweizer Unternehmen haben diese Woche einen No-Name auf den Chefsessel gehievt.

Das ist kein Zufall. Beide Firmen wollen raus aus den Schlagzeilen. Die Medien neigen zur Personifizierung: Ein schillernder Chef zieht die Aufmerksamkeit nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf das Unternehmen. Pierin Vincenz, das war Raiffeisen. Als er, der gern für die «Schweizer Illustrierte» posierte, verhaftet wurde, stürzte dies die ganze Bank ins Elend. Bei der Post wiederum wurden die Postauto-Mauscheleien im Nu zum Fall Susanne Ruoff, weil die bekannteste Managerin der Schweiz, die mit dem «Blick» medienwirksam frühstückte, nicht frühzeitig eingeschritten war. Man wollte ihren Kopf rollen sehen.

Funktioniert die Personalisierung auch andersrum? Lassen die Medien eine Firma eher in Ruhe, deren CEO einen Glamour-Faktor nahe dem Nullpunkt aufweist? Vielleicht. Gestern war die Berufung des neuen Post-Chefs auf den Frontseiten von «NZZ», «Tages-Anzeiger» und «Aargauer Zeitung» mit keiner Zeile erwähnt. Der Trend zu grauen CEO-Mäusen lässt sich auch ausserhalb von Krisenfirmen beobachten. Swiss-CEO Thomas Klühr fliegt meist unter dem medialen Radar; sein Vorgänger Harry Hohmeister hatte sich noch sehr für die Grösse seiner Porträtfotos in den Zeitungen interessiert. Und SBB-CEO Andreas Meyer hat sich gewandelt: Anfänglich liess er sich beim Baden in der Aare fotografieren, inzwischen verweigert er sich solcher Tollereien. In diesen Zeiten ist nicht Show gefragt. Sondern Ernsthaftigkeit.

Für die People-Presse und das TV ist diese Entwicklung natürlich unglücklich. Für Homestorys und «Schawinski» steht bestenfalls die zweite Garde zur Verfügung. Die CEOs aber wissen, was der frühere Kanzler Gerhard Schröder einst so formulierte: «Wenn du mit den Medien im Lift nach oben fährst, fährst du mit den Medien auch wieder im Lift nach unten.»

patrik.mueller@schweizamwochenende.ch