Analyse

Rafael Nadal: Ein US-Open-Sieg mit Makeln

Strahlender Sieger der US Open 2017: Rafael Nadal.

Strahlender Sieger der US Open 2017: Rafael Nadal.

Zum dritten Mal gewinnt Rafael Nadal die US Open. Es ist sein 16. Grand-Slam-Titel, der zweite in diesem Jahr. Es ist ein Erfolg, dem mehr als nur ein Makel anhaftet. Eine Analyse.

Irgendwann, daraus machte er keinen Hehl mehr, nervten sie ihn: die Fragen nach Roger Federer und dem möglichen Halbfinal um die Nummer eins der Weltrangliste. Für ihn zähle nur der nächste Gegner, sagte Rafael Nadal bei den US Open und weigerte sich, weiter über ein hypothetisches Duell mit seinem Erzrivalen zu sinnieren. Zu Recht: Federer war nie «der nächste Gegner», er scheiterte in New York in den Viertelfinals an Juan Martin Del Potro.

Rafael Nadal (31) hingegen sichert sich seinen 16. Grand-Slam-Titel, nach 2010 und 2013 den dritten bei den US Open und nach den French Open im Juni den zweiten in diesem Jahr. Angesichts seiner fast 2000 Punkte Vorsprung in der Jahreswertung sind seine Aussichten, das Jahr als Nummer eins der Weltrangliste zu beschliessen, ausgezeichnet. Entsprechend kam er auch zum Schluss, er spiele eine seiner besten Saisons, wenn nicht die beste. 

Makel 1: Kein Djokovic, kein Wawrinka, kein Zverev

Sein Sieg bei den US Open hatte sich vom ersten Tag an abgezeichnet, doch ihm haften gleich mehrere Makel an. Da sind die Absagen von Titelverteidiger Stan Wawrinka (Knie) und des Vorjahres-Finalisten Novak Djokovic (Ellbogen), der in New York in den letzten zehn Jahren immer mindestens die Halbfinals erreicht hatte. Zudem spielte ihm die kurzfristige Absage von Andy Murray in die Karten. Und Alexander Zverev (20) fehlt noch das Format.

Nadal kennt diesen Makel, weist ihn aber von sich. «Wir sind nicht mehr 20 Jahre alt und Verletzungen gehören dazu. Ich war öfter verletzt als alle anderen Spieler zusammen», sagte er etwas genervt. Vor allem Federer habe selten Blessuren gehabt. Was er nicht sagte: Nadal bestreitet im Schnitt deutlich mehr Turniere, was den körperlichen Verschleiss zumindest begünstigt. Alleine in diesem Jahr sind es 14, Federer trat nur bei neun Turnieren an.

Makel 2: Die Fragen nach Roger Federer

Federer selber sagte nach seinem Viertelfinal-Aus, er fühle sich in der aktuellen Form nicht bereit, Nadal zu fordern. Die These bleibt ungeprüft. Sicher ist aber, dass Federer, dessen Rückenprobleme sich in den Kopf verschoben, nicht die Form hatte, die ihm in diesem Jahr drei Siege gegen Nadal ermöglichten. Doch der Makel bleibt: Nadal musste mit Federer jenen Spieler nicht besiegen, der für ihn in diesem Jahr eine unüberwindbare Hürde darstellte. 

Auch wenn Nadal in den letzten Runden das vielleicht beste Hartplatztennis seiner Karriere zeigte, bleibt fraglich, wie weit ihn das getragen hätte, wäre das Feld nicht derart erodiert. Bis in die Halbfinals traf der Spanier auf keinen Spieler aus den Top 50, und um das Turnier zu gewinnen, musste er keinen einzigen Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste besiegen. Nie zuvor in der seit 1968 währenden Zeitrechnung der Open Era hatte es das gegeben.

Das Duell zwischen Roger Federer und Rafael Nadal in New York ist wieder einmal geplatzt.

Das Duell zwischen Roger Federer und Rafael Nadal in New York ist wieder einmal geplatzt.

Makel 3: 44 Monate Dürre auf Hartplatz

Es sind Zahlen wie diese, die Zweifel berechtigen. Eine andere ist die 44. Wer nach Nadals letztem von nun 17. Titeln auf Hartplatz sucht, wird erst im Januar 2014 fündig, wo er das vergleichsweise bedeutungslose ATP-250-Turnier in Doha, Katar, für sich entscheiden konnte. Das war vor 44 Monaten. Bei den US Open hatte er seit seinem letzten Erfolg vor vier Jahren gerade einmal fünf Spiele gewonnen. Das Fehlen von Spezialisten spielte ihm in die Karten.

Trotzdem ist Nadal der logische Sieger. Für Verletzungen seiner Gegner kann er nichts. Auch nicht dafür, dass es nicht zum Duell mit Federer kam, dessen einzigem French-Open-Sieg, jenem im Jahr 2009, seinerseits der Makel anhaftet, dass er auf dem Weg dorthin Nadal nicht bezwingen musste. Die Evolution seines Spiels ist erstaunlich. Inzwischen dominiert der Spanier nicht nur von der Grundlinie, sondern sucht auch öfter den Weg ans Netz. 

Sein 16. Grand-Slam-Titel bringt ihn wieder näher an Federer, der mit 19 Titeln die wichtigste Rekordmarke im Tennis hält. Doch es ist nicht dieses Rennen, das ihn antreibt. «Ich gehe meinen Weg, Roger geht seinen.» Er sei nun 31 Jahre alt und habe immer noch Leidenschaft und die Liebe für das Spiel, nur das zähle, und nicht, was von diesem Erfolg mit Makeln in Erinnerung bleibe. Viel mehr als der Sieger, Rafael Nadal, wird es auch kaum sein. 

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