Ich habe ein schlechtes Gewissen. In der Dezember-Guetzli-Kolumne wurde ja ein ärztlicher Freibrief für den zügellosen Verzehr von Weihnachtsgebäck erteilt. Nun bin ich wohl mit verantwortlich für einige Zentner Hüftgold unter der Leserschaft. Das lastet schwer auf meiner Seele. Statt des angestrebten Titels «Master of the Universe» muss mir der unrühmlichere «Mäster of Argovia» verliehen werden. 

Doch zu meiner Verteidigung sei bemerkt, dass die winterliche Gewichtszunahme nicht nur den Adventskalorien zuzuschreiben ist, sondern auch dem urtypischen, menschlichen Verhalten geschuldet ist, bei Kälte mehr und kalorienreicher zu essen. Im Januar kann ich mir jeweils ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn sie alle wieder Werbung schalten, die Fitnessstudios, Diätprogramme und Hersteller von Trainingsgeräten. Sie leben von unserem Schrecken nach dem Blick auf die Waage und unseren frisch gefassten Vorsätzen. Nach wenigen Wochen werden dann aber wohl einige der mit guten Vorsätzen gekauften Jahresabos wieder leise vergessen, es leeren sich die Garderoben der Studios und es verstauben etliche Hometrainer einsam im Hobbykeller. 

Ich schätze, dass dann ab Mai diese Geräte wieder auf den Auktionsplattformen im Internet auftauchen dürften. Also, überstürzen Sie es nicht mit dem Abnehmen. Gewicht halten, bis es wärmer wird. Bei höheren Temperaturen fällt es uns leichter, gesünder zu essen und uns mehr zu bewegen. Vielleicht machen Sie dann auch noch ein Schnäppchen für ein Fitnessgerät aus dem Internet. 

Doch was hat nun der Titel Push up mit dem bisherigen Text zu tun? To push up heisst wörtlich übersetzt Aufstossen. Gemeint ist, das saure Aufstossen. Bei meiner ärztlichen Tätigkeit verzeichne ich eine saisonale Häufung: Im ersten Quartal des Jahres summieren sich die Klagen über Sodbrennen und saures Aufstossen. Zu den Ursachen dieser unangenehmen Beschwerden zählen nebst anatomischer Veranlagung (der Zwerchfellhernie) meist Übergewicht und Genussmittel. Unser Schliessmuskel zwischen Speiseröhre und Magen kann nicht dauerhaft zukneifen. Er muss sich von Zeit zu Zeit entspannen. 

Dabei strömt etwas Magensäure zurück in die Speiseröhre, Reflux genannt. Verstärkt wird der Rückstrom durch Druck, z.B. Magenfüllung, Bauchfett und Husten. Oder durch eine Lockerung des Schliessmuskels nach dem Konsum von Fett, Alkohol, Eiweiss, Nikotin und Koffein. Beschwerden also als Folge von Genuss und Wohlstand. So gemein, nicht wahr? Doch nicht nur nach dem Essen oder im Liegen auftretendes Brennen in der Magengegend oder hinter dem Brustbein sind typische Symptome von Reflux, auch Schluckprobleme, Druck- und Klossgefühl im Hals, nächtliches Husten sowie morgendliche Heiserkeit sind häufige Folgen der Magensäure, die buchstäblich zur falschen Zeit am falschen Ort einwirkt. 

Wenn es Sie also seit Januar neu etwas auf der Brust brennen sollte, ist dies nur in den allerseltensten Fällen ein Herzinfarkt. Statt der Fahrt zum Arzt oder dem Griff zum Säurehemmer dürften meist ein frühes, leichtes Abendessen und vermehrte körperliche Aktivität bereits Linderung verschaffen. In diesem Fall dürfte ich keinen Aufschub
zur Korrektur Ihrer Weihnachtssünden gewähren.

Dr. Florian Riniker (41) arbeitet als Magen-Darm-Spezialist in Aarau und wohnt in Suhr.