Bundesbetrieb

Postauto-Affäre: Verantwortung und Rücktritt

Post-Vizepräsident Adriano Vassalli, Ex-Post-Chefin Susanne Ruoff und Ex-Postauto-Chef Daniel Landolf.

Post-Vizepräsident Adriano Vassalli, Ex-Post-Chefin Susanne Ruoff und Ex-Postauto-Chef Daniel Landolf.

Vielleicht scheint es nur so: Aber als Beobachter der Schweizer Unternehmenslandschaft wird man den Eindruck nicht los, dass es den Verwaltungsräten in Schweizer Unternehmen zunehmend schwerfällt, Verantwortung zu übernehmen und von ihren Posten zurückzutreten. Bei der Schweizerischen Post scheint es gar, als ob ein Rücktritt nur unter grossem Getöse inklusive Klagedrohungen möglich wäre.

Das zeigt zweierlei: Der Bundesbetrieb – mithin einer der grössten Arbeitgeber der Schweiz – leidet unter einem schwerwiegenden Führungsproblem. Das Aufploppen der Postauto-Affäre liegt nun schon Monate zurück. Man hätte also genügend Zeit gehabt, die entsprechenden Konsequenzen im Verwaltungsrat zu ziehen – sprich Rücktritte in die Wege zu leiten. Doch der Alleinaktionär – also der Bund – liess die Sache schleifen und entblösste damit gravierende Führungsschwächen.

Auch die Verwaltungsräte selbst legen ein eigenartiges Verhalten an den Tag. Je mehr Details über den Postauto-Skandal bekannt werden, desto lauter beteuern sie ihr Unwissen. Das geht so weit, dass sie öffentlich behaupten, die inzwischen berühmte Aktennotiz vom 21. August 2013 gar nie erhalten zu haben. Selbst wenn dem so wäre, änderte es nichts daran, dass sie die Verantwortung für den grössten Subventionsbetrug der jüngeren Schweizer Geschichte übernehmen müssen. Der Rücktritt ist ihre einzige verbliebene Option. Möglicherweise verwechseln sie Verantwortung mit der Schuldfrage. Das jedoch sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

beat.schmid@azmedien.ch

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