Fahrländer

Politische Bildung: alles in Butter?

Vor allem bei den Jungen ist die Stimmbeteiligung tief. (Symbolbild)

In jüngster Zeit empfingen wir einige ermutigende Signale einer politisch interessierten und engagierten Jugend. So moderierten drei 17-Jährige, darunter Andrea Marti aus Gipf-Oberfrick, mutig und kundig eine TV-Arena zu den happigsten Fragen der Zeit. Und seit Wochen gehen Jugendliche auf die Strasse, unter anderem in Aarau und Baden, um in einem «Klimastreik» die Gesellschaft an ihre Verantwortung für den Klimaschutz zu erinnern. Stimmt es also doch nicht, dass «die heutige Jugend» politisch desinteressiert am Handy herumhängt und dort Pop und Spiele, aber kaum News konsumiert? Bevor wir ein neues Zeitalter ausrufen, ist wohl etwas Vorsicht am Platz. Auch wenn die Klima-Züge in die Tausende gehen – es marschiert immer noch eine Minderheit «der Jugend». Und einige der Kids nehmen wohl auch daran teil, weil Demonstrieren cool ist.

Seit wir uns in dieser Spalte letztmals mit (fehlender) politischer Bildung auseinandergesetzt haben, ist etwas passiert: Der Bundesrat hat eine «Gesamtschau» der Anstrengungen zur politischen Bildung in der Schweiz publiziert. Angeregt hat den Bericht der Ausserrhoder FDP-Ständerat Andrea Caroni. Der Bundesrat wollte sein Postulat nicht entgegennehmen, doch der Ständerat hat ihn dazu gezwungen. Spürt man deshalb bei der Lektüre eine gewisse Lustlosigkeit? Es ist eine zwar umfassende, aber etwas uninspirierte Aufzählung von Aktivitäten. Neue Ideen, einen Aufbruch gar, sucht man vergeblich. Der Bundesrat ist überzeugt: Mit der Implementierung des Lehrplans 21 hat der Bund seinen Teil beigetragen. Nun sind, nach dem Subsidiaritätsprinzip, andere an der Reihe, vorab die Kantone.

Tatsache ist: In einer direkten Demokratie ist politische Bildung «des Volkes», insbesondere «der Jugend» besonders wichtig. Tatsache ist auch: Seit vielen Jahren ist die Stimm- und Wahlbeteiligung bei Jungen bedenklich tief. Tatsache ist natürlich ebenso: Auch wenn der Aargau nun im 9. Schuljahr eine Wochenlektion «politische Bildung» einführt – staatliche, schulische Angebote können mangelnde Nachfrage, mangelndes Interesse nicht einfach wegblasen. Seit Gotthelf steht fest: Im Hause muss (müsste) beginnen, was leuchten soll im Vaterland. Und wie steht es eigentlich mit Aus- und Weiterbildungsangeboten an den pädagogischen Hochschulen? Kann man «Lehrkraft in politischer Bildung» überhaupt studieren? Und wie steht es an der Schulfront? Werden Zielerreichungen in diesem Fach überhaupt kontrolliert? Oder kann ein desinteressierter Lehrer auch kneifen? Nein, die Arbeit ist wahrlich noch nicht getan.

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