In Baden wollen alle bürgerlichen Parteien Geri Müller im Wahlherbst vom Stadtammannsessel stürzen sehen. Bis heute gibt es dafür nur bei der CVP willige Kandidaten, und gleich deren drei. Das Besondere: Zwei davon, Bernhard und Reto Schmid, gehören zurzeit gar nicht dem Stadtrat an. Würde also einer von ihnen nominiert, so müsste entweder der bisherige Stadtrat Matthias Gotter oder Vizeammann Markus über die Klinge springen. Der Parteivorstand will nun auf Nummer sicher gehen und will alle schriftlich unterzeichnen lassen, im Fall einer Nichtnomination nicht wild zu kandidieren.

Solche Situationen hat die Stadt Baden in der Vergangenheit schon öfters erlebt. Da sind in der Regel Scherben programmiert. Es tauchte immer die Frage auf, ob solche parteiinternen oder auch parteiübergreifenden Deals im Sinne der gesamten Wählerschaft sind oder nicht, ob Parteidemokratie über die Volksdemokratie gestellt werden darf oder nicht. Die Vergangenheit in Baden hat gezeigt, dass das Stimmvolk solches Parteigebaren nicht goutiert, weil es eine oft andere Sicht hat als die Partei. Gerade dort, wo die Demokratie ihre Basis hat, auf der Stufe der Kommunen, ist die Wahl noch so nah beim Volk. An der Parteiversammlung obsiegt derjenige Kandidat, der den Interessen der Partei oder des Vorstands am ehesten entspricht, oder derjenige, der am Nominationsabend die meisten Claqueure mobilisieren kann. Parteidemokratie, die über die Volksdemokratie gestellt wird, kann auch Parteidiktatur sein. Man darf gespannt sein, ob sich die CVP da schadlos aus der Affäre ziehen kann.