Autos mit kochendem Motor, mit einer kleinen Dampffahne über dem Kühler: Wer kennt das heute noch? Am Gotthardpass in der Frühzeit des Massentourismus waren die deutschen VW Käfer mit angehängtem Wohnwagen, die in Steigung der Tremola ins Keuchen und Kochen gerieten, ein vertrautes Bild. Aber wie reagiert man heute, wenns passiert? Wenn auf der Autobahn die Bord-Elektronik piepst und leuchtet: «Stopp. Motor zu heiss». Man hofft, fährt noch raus zur nächsten Tankstelle, öffnet Motorhaube und Kühlwassertank ... falsch. Ich will aber nicht warten und habe Glück: Denn wo kein Wasser mehr ist, spritzt’s nicht. Um die Warterei abzukürzen, erbitte ich an der netten Tankstelle heisses Wasser. Doch was ich oben einfülle, läuft unten wieder raus. Ein Fall für den Abtransport.

Beim Warten auf den Pannendienst kann ich ein bisschen Geduld üben und mich an alte dampfende Zeiten erinnern – dabei fällt mir Bertolt Brechts Gedicht «Radwechsel» ein: «Ich sitze am Strassenhang. / Der Fahrer wechselt das Rad. / Ich bin nicht gerne, wo ich herkomme. / Ich bin nicht gerne, wo ich hinfahre. / Warum sehe ich den Radwechsel / Mit Ungeduld?» Beim Nachdenken über die Brecht’sche Poesie wird nicht nur die eigene Ungeduld erträglicher, sondern die Panne gar zu einem Training im Sich-nicht-Aufregen.