Abfallsündern drohen unterschiedlich hohe Bussen – je nachdem, wo sie ihren Abfall liegen lassen. In Lausanne kostet ein Zigistummel 150, in Zürich 80 und in Bern 40 Franken. Der Nationalrat lehnte eine nationale Littering-Busse 2016 ab. Aargauer Grossrätinnen und Grossräte aus praktisch allen Parteien haben deshalb den Regierungsrat beauftragt, Abfallsünder wenigstens auf kantonaler Ebene einheitlich zu bestrafen. Das ist zu begrüssen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum weggeworfener Abfall in einer Gemeinde 100, in einer anderen nur 40 Franken kostet.

Die Regierung schlägt eine Busse von 100 Franken vor. Vielen Parteien ist das zu wenig. Die CVP fordert gar Bussen von 300 Franken. Der Aargau stünde mit einer so hohen Busse ziemlich einsam da. Und das Littering-Problem wäre damit nicht gelöst. Im besten Fall entsorgen ein paar wenige ihren Abfall im Kübel. Die meisten dürften sich weiterhin darauf verlassen, dass sie nicht erwischt werden.

Das ist das eigentliche Problem. Deshalb ist es sinnvoller zu überlegen, wie Littering verhindert werden kann, anstatt über die Höhe von Bussen zu diskutieren, die fast nie ausgestellt werden. Die Behörden müssten sich fragen, ob es genug Abfalleimer gibt. Detailhändler sollten Einweg-Grills aus dem Sortiment nehmen. Take-aways könnten über wiederverwertbare Verpackungen mit Depot nachdenken. Wir könnten den Einkauf im Jutebeutel statt im Plastiksack nach Hause tragen. Wenn Dinge nach einmaligem Gebrauch nicht wertlos sind, überlegen wir hoffentlich zweimal, ob wir sie liegen lassen.