Mutschellen

Not macht Schulen erfinderisch

Bubentrickli: Kreisschule Mutschellen wollte Klassenstunde retten.

Bubentrickli: Kreisschule Mutschellen wollte Klassenstunde retten.

Weil eine Klassenstunde weggespart wurde, lancierte die Kreisschule Mutschellen einen heiklen Elternaufruf, um sie auf anderem Wege zurückzuholen.

Wenn ein Schüler bei einer Prüfung spickt, wird er vom Lehrer ermahnt, muss den Test allenfalls wiederholen oder erhält eine ungenügende Note. Wer versucht, den Lehrer auszutricksen und dabei erwischt wird, muss also mit Konsequenzen rechnen. Das gilt auch für Schulverantwortliche, wie das Beispiel der Kreisschule Mutschellen zeigt. Der Kanton lässt sich nicht austricksen, wenn es darum geht, Mittel für Wahlfächer zu bewilligen.

Das ist grundsätzlich gut, denn es zeigt, dass sich Schulen nicht über finanzielle Vorgaben der Politik hinwegsetzen können. Allerdings wirft der Fall auch Fragen auf: Hat der Schulleiter geglaubt, sein Trick würde funktionieren und der Kanton nicht merken, dass scheinbar zufällig alle Eltern der Sek- und Realschüler dasselbe Wahlfach ankreuzen? Oder ist die Aktion aus der Not geboren, weil er sah, dass Klassenstunden nötig sind, aber kein Geld dafür vorhanden ist? Das wäre zwar nachvollziehbar, doch das Vorgehen ist fragwürdig.

Dass es weitere Schulen im Aargau gibt, die Ähnliches versucht haben, zeigt aber, dass ein Problem besteht. Dieses mit mehr Geld zu lösen, ist angesichts knapper Kantonsfinanzen unrealistisch. Der bessere Weg, auch für die Schulen, dürfte mehr Flexibilität sein. Momentan läuft ein Versuch mit elf Schulen, die ein Globalbudget erhalten und dieses nach ihren Bedürfnissen einsetzen können. So könnte auch die Kreisschule Mutschellen zu Klassenstunden kommen – und zumindest selber entscheiden, worauf sie im Gegenzug verzichtet.

fabian.hägler@azmedien.ch

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