Bundesräte sind in ihrer Kommunikation normalerweise zurückhaltend. Abgesehen von ausgewählten Interviews und der allwöchentlichen Pressekonferenz, wo in der Regel nur ein Regierungsmitglied anwesend ist, äussern sie sich selten zu tagesaktuellen Themen – schon gar nicht zu solchen, die im Ausland geschrieben werden.

Dass Aussenminister Didier Burkhalter – notabene während des epischen Tennis-Finals zwischen Roger Federer und Rafael Nadal! – persönlich ein Communiqué aufsetzt, indem er den von US-Präsident Donald Trump verfügten Einreisestopp für Bürger einzelner muslimischer Länder kritisiert, ist also aussergewöhnlich. Trotz vorsichtig gewählter Worte verleiht er einer Sorge Ausdruck, die gerade in Europa viele teilen. Denn aus den Ankündigungen Trumps sind mittlerweile Taten geworden und wer glaubte, der TV-Star verwandle sich im Amt dann schon in einen weltpolitisch umsichtig agierenden Staatsmann, irrte sich bislang gewaltig.

Burkhalter hätte auch schweigen können. Ganz im Sinn von: Nichts tun, das einen der wichtigsten Handelspartner verärgern könnte. Wer so argumentiert, verkennt
jedoch, dass auch die Schweiz ein vitales Interesse an einem international verbindlichen Regelwerk hat – und dass gerade sie zivilisatorische Errungenschaften wie die Genfer Konventionen verteidigen soll. Eher kann man dem Aussenminister vorhalten, seine Kritik zu defensiv formuliert zu haben. Doch angesichts der drohenden Massnahmen der neuen US-Regierung ist es durchaus ratsam, noch etwas Munition in der kommunikativen Waffenkammer zu behalten.