Polemik

Nizza, Putsch und Pokémon

«Das Massaker in Nizza, die wütende Türkei und die Polizisten in Louisiana – schnell sind die Ferienerinnerungen verblasst, man ist wieder im Hier und Jetzt. In der bösen Welt.»

«Das Massaker in Nizza, die wütende Türkei und die Polizisten in Louisiana – schnell sind die Ferienerinnerungen verblasst, man ist wieder im Hier und Jetzt. In der bösen Welt.»

Kaum steigt man aus dem Ferienflieger – in der Heimat, nicht im Urlaubsparadies –, wird man von der grausamen Realität eingeholt. Das Massaker in Nizza, die wütende Türkei und die Polizisten in Louisiana. Schnell sind die Ferienerinnerungen verblasst, man ist wieder im Hier und Jetzt. In der bösen Welt.

Alle starren aufs Handy. Allerdings nicht um sich über die Nachrichtenlage zu informieren – sondern um ein nächstes virtuelles Monster zu fangen. Alles dreht sich um das neue Spiel «Pokémon Go». Während die einen die Regierung stürzen, flüchten sich andere in ein Online-Spiel. Man hat das Gefühl, beides sei gleich wichtig.

Das Spiel ist omnipräsent, bei den Süchtigen und bei denen, die dagegen wettern. Alle reden darüber. Die Leute wissen eher, wo sich das nächste Pikachu versteckt, als was in Istanbul und Ankara los ist. Ist das zynisch, oder sind die Leute von den realen Problemen so überfordert, dass sie sich ins banale Spieleland flüchten? Natürlich geht es nie lange, bis jemand die Verbindung herstellt und Krisen mit Humor begegnet. Auf Twitter wurde ein Bild von Erdogan gepostet mit dem Kommentar «Hässlichstes Pokémon aller Zeiten».

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