Kommentar

Nicolás Maduro: der Erdogan Südamerikas

Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro steckt Oppositionsführer ins Gefängnis.

Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro steckt Oppositionsführer ins Gefängnis.

Venezuelas Staatspräsident Nicolás Maduro steckt nun auch seine politischen Gegner ins Gefängnis.

Man bekommt es mit der Angst zu tun, wenn man sieht, wie schnell, skrupellos und entschieden die venezolanische Führung nach der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung (ANC) gegen ihre Gegner vorgeht. Nicolás Maduro hatte es am Sonntag angedroht und am Montag umgesetzt. Er hat mit Leopoldo López einen aktiven sowie mit Antonio Ledezma einen gebrochenen und längst unwichtigen Oppositionsführer in einer wahrhaften Nacht-und-Nebel-Aktion ins Gefängnis gesteckt. Schon die Begründung ist zynisch: Es habe Fluchtgefahr bestanden.

Mit der Festnahme wird deutlich, was die Gegner der linksautoritären Regierung in der Zukunft erwartet: weniger Rechtsstaat, weniger Gewaltenteilung und noch weniger Duldung von Widerspruch. Angst soll Verlässlichkeit ersetzen. Wer sich aus der Deckung wagt, wird weggesperrt. Venezuela vollzieht gerade im Zeitraffer die letzte Etappe von einem demokratischen Staat hin zu einem autoritären Regime nach dem Vorbild Russlands oder der Türkei.

Das südamerikanische Land ist keine Diktatur, aber ähnlich wie Putin und Erdogan lässt Nicolás Maduro demokratische Rechte mit Füssen treten. Der Autokrat fühlt sich seit Sonntag als unangreifbarer Sieger. Die Opposition hat keine Idee, wie man auf die neue Herausforderung reagieren kann. Es mehren sich die Stimmen, die sich für eine Lösung mit Feuer und Flamme starkmachen. Erste autonome Gruppen bewaffnen sich bereits. Es drohen noch kompliziertere Zeiten in Venezuela, auch wenn das kaum noch möglich scheint.

ausland@azmedien.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1