«Eine weitere Plattform für die Wutbürger?», fragte Mathias Jauslin bange in seinem FDP-Newsletter, als die az Anfang Dezember Petitio.ch lancierte. Es sei doch absehbar, so der damalige Aargauer FDP-Präsident, dass diese Plattform «vor allem Wutbürger auf den Plan rufen wird, deren Hasstiraden und Unterstellungen gegen Lokalpolitiker die Szene beherrschen werden».

Ein halbes Jahr nach dem Start können sich Jauslin und andere Skeptiker beruhigen: Nichts von allem ist eingetreten. Bürgerinnen und Bürger mit legitimen Anliegen nutzen Petitio rege und konstruktiv. Vom Berufspendler auf dem Land, der sich eine bessere Busverbindung wünscht, bis zu den jungen Nachtschwärmern aus der Stadt, die sich gegen die Schliessung ihres Lieblingsklubs wehren – die Palette an digitalen Petitionen ist so vielfältig wie der Aargau und seine Menschen.

In einem hat Mathias Jauslin recht bekommen: Sein Verdacht, die az habe ein Tool geschaffen, das sie «laufend mit Geschichten versorgt», trifft zu und ist so gewollt. Bei Petitio.ch stossen unsere Regionalredaktionen regelmässig auf Themen aus der Bevölkerung, die sonst kaum den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hätten. Alle profitieren, wie es Politologe Uwe Serdült vom Zentrum für Demokratie Aarau auf den Punkt bringt: «Petitio generiert für die az Geschichten, zeigt den Behörden, wo der Schuh drückt, und erbringt für die Petitionäre eine Dienstleistung.»

Jeder, der an einer Belebung der lokalen Bürgerbeteiligung interessiert ist, muss Freude haben an Petitio.

rolf.cavalli@azmedien.ch