Stimmrecht

Nicht nur eine Frage des Alters

Klimaprotest in Basel.

Die Umweltbewegung weckt bei Teenagern die Lust auf Politik – und die Forderung wird laut, dass Jugendliche nicht erst ab 18 Jahren abstimmen und wählen dürfen. Der Kommentar

Das Thema wurde schon von höchster Stelle vorangetrieben. 2014 plädierte der damalige Bundespräsident Didier Burkhalter dafür, 16-Jährige abstimmen zu lassen. Dadurch wollte er die Verantwortung der Jugend für die Gesellschaft fördern. Aus dem Vorhaben wurde allerdings nichts, wie so oft in den vergangenen Jahren. Ausser im Kanton Glarus (mit 16 Jahren) ist überall die Volljährigkeit Voraussetzung, um abstimmen zu dürfen. Dabei sollte ein tieferes Stimmrechtsalter heute kein Tabu, sondern vielmehr eine Debatte wert sein.

Alte Vorurteile zerbröseln gerade in Anbetracht der neuen Klimabewegung. Dass die Jugendlichen politisch desinteressiert sein sollen, widerlegen sie auf den Strassen. Sie sind aktiver als so mancher Stimmberechtigte und wollen sich politisch beteiligen. Solange die Jugendlichen nicht an die Urne dürfen, bleiben Proteste eines der wenigen Mittel, um sich Gehör zu verschaffen. Zudem würden mehr junge Stimmberechtigte dem politischen Prozess guttun. Seit Jahren steigt der Altersdurchschnitt der Wähler. Und mit den Babyboomern geht eine Generation in Rente, die über Jahre jede Abstimmung dominieren wird.

Die Anliegen der Jungen drohen unterzugehen. Die politische Partizipation sollte deshalb nicht nur eine Frage des Alters sein, sondern auch eine der Kenntnisse und des Verhaltens. Während heute viele 18- bis 25-Jährige den Urnen fernbleiben, muss die kommende Generation, die gerade ihren politischen Willen beweist, Gehör finden. Ansonsten droht aus der Lust auf Politik schnell Frust zu werden.

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