Die Debatte im Ständerat war schon fast vorbei, als SVP-Mann Peter Föhn seine Ratskollegen nochmals ins Gebet nahm: «Da könnten grösste Probleme auf uns zukommen», warnte er. Deshalb bitte er darum, alles so zu belassen, wie es ist. Grösste Probleme? Was die kleine Kammer da gestern entgegen der Aufforderung Föhns beschloss, wird die Schaltstellen des Landes kaum lahmlegen. Bundesratswahlen werden damit nicht zur unlösbaren Aufgabe. Und ebenso wenig geht es um eine gesellschaftspolitische Forderung, die keinesfalls in die Bundesverfassung gehört. Vielmehr wagte der Ständerat einen Schritt, der längst überfällig ist: Er will die angemessene Vertretung der Geschlechter im Bundesrat festschreiben. Laut Verfassung mussten bisher nur die Landesgegenden und die Sprachregionen angemessen vertreten sein. 

Wer sich nun fragt, was an einer solchen Erweiterung problematisch sein soll, hat recht: Von einer eigentlichen Frauenquote ist der Vorschlag, der auf FDP-Ständerat Raphaël Comte zurückgeht, meilenweit entfernt. Bestenfalls kann man von einer Frauenquote light sprechen. Mehr nicht. Die nächste Stufe der Gleichstellung wird nicht gezündet, der Kulturwandel nicht eingeleitet. Und ohnehin muss noch der Nationalrat über den Vorschlag befinden. Absolut ist die Formulierung «angemessene Vertretung» jedenfalls nicht. Sie entspricht lediglich einer unverbindlichen Norm. Dem Parlament würde es bei Bundesratswahlen noch immer freistehen, wie stark es die Geschlechterfrage gewichtet. So gesehen ist der vom Ständerat angenommene Vorschlag letztlich bloss eines: eine in Verfassungsform gegossene Selbstverständlichkeit.