Kommentar

Nicht erst seit Corona: Manor hätte schon viel früher reagieren müssen

Radikaler Einschnitt bei Manor: Fast 500 Mitarbeiter müssen gehen (Archivbild).

Radikaler Einschnitt bei Manor: Fast 500 Mitarbeiter müssen gehen (Archivbild).

Diese Erkenntnis kommt reichlich spät. Wenn Manor-Chef Jérôme Gilg sagt, die Coronakrise habe der Warenhauskette definitiv vor Augen geführt, wie wichtig das Onlinegeschäft ist, dann mutet das im Jahr 2020 befremdend an. Dieses Aha-Erlebnis hätte Manor, aber auch viele andere Schweizer Händler viel früher haben sollen. Amazon gibt es schliesslich nicht erst seit gestern.

Insofern bezahlen die 476 betroffenen Angestellten auch für die Fehler des früheren Managements. Gilg steht dem Konzern erst seit einem Jahr vor. Ihm steht nun die Aufgabe zu, das traditionsreiche Handelshaus wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

Doch Manor dürfte bloss der Vorbote eines tiefgreifenden Strukturwandels im Detailhandel sein. Denn Corona hat, wie Gilg sagt, die laufenden Entwicklungsprozesse bloss beschleunigt. Heisst für den Alltag übersetzt: mehr Onlineshop-Klicks, leerere Einkaufsstrassen.

Besonders hart trifft die Pandemie die Restaurants und Snackgeschäfte von Manor und Co., sei es im Dorf, in der Stadt oder an Bahnhöfen. Denn wenn dreissig Prozent der Angestellten auch in Zukunft im Homeoffice bleiben – so wie es beispielsweise UBS-Chef Sergio Ermotti prophezeit –, werden weniger Pendler-Kaffees gekauft, weniger Sandwiches über Mittag gegessen und weniger Feierabendbiere mit Arbeitskollegen konsumiert.

Der grosse Kater – er droht erst noch.

Meistgesehen

Artboard 1