Als Landei bekomme ich die landwirtschaftliche Entwicklung hautnah mit, sei es positiv oder negativ. Besonders positiv fällt in meinem Dorf ein Jungbauer auf, der sozusagen den Schritt zurück hin zu einer ethisch verträglicheren Landwirtschaft gewagt und damit das Dorf um eine Attraktion bereichert hat: Er hält seit vergangenem Sommer zwei Dutzend Freilandschweine auf einer riesigen Weide. Seither pilgern viele Leute zum Hof Seilern hoch über Reigoldswil, um den Schweinchen beim täglichen Treiben zuzuschauen. Und schon mancher hatte dabei ein Aha-Erlebnis. So sagte kürzlich eine gestandene Frau: «Ich wusste gar nicht, dass Schweine so rennen können.»

Ja, Schweine sind richtige Genussviecher, wenn man sie nur lässt. Sie suhlen sich wohlig im ausgehobenen Tümpel, sonnen sich danach teils übereinanderliegend, veranstalten spielerische Verfolgungsrennen, durchwühlen mit ihren Rüsseln ausdauernd den Boden nach Fressbarem oder schlafen in einer Bodensenke. Dieses schweinisch-wohlige Leben dauert noch bis in den Spätherbst hinein. Dann heisst es auch für diese glücklichen Säuli ab in den Schlachthof, aber zumindest in einen nahen ohne stressigen Transportweg. Ob eine nächste Schweinchen-Generation auch wieder so ein attraktives (Kurz-)Leben führen darf, entscheiden die Konsumenten. Der Jungbauer namens Yannick Steffen sucht derzeit in diversen Gemeindeblättern mit Anzeigen unter dem Titel «WIESENSCHWEIN – SAUGESUND weil SAUGLÜCKLICH da SAUDRAUSSEN» nach Fleischabnehmern. Ich gehöre dazu, denn ich will auch nächstes Jahr wieder Säuli schauen.