Vielleicht ist Frischluft die Antwort auf Dieselgate. Frischluft beim Autofahren. Natürliche Luft, statt kühler Innentemperatur dank Bord-Aircondition. Das begründete eventuell die neue Mode, herumzufahren: mit heruntergekurbeltem Seitenfenster und mit dem Arm draussen. Vor allem in getunten Chläpfen und Geländewagen. Als genüge es nicht länger, einen halben Meter tiefer zu liegen oder höher zu hocken als der Rest. Die Macho-Allüre muss noch handfest untermalt werden.

Man kann es überall beobachten, auf der Autobahn wie auf Nebenstrassen. Die Leute – zu hundert Pro Männer – halten wichtig den Tapen in die Luft, nicht bloss den Ellbogen. Neu rudern sie mit ganzem Arm. Beidseits, sowohl auf Fahrer- wie auf Beifahrerseite. Das scheint überhaupt das höchste der Gefühle zu sein: Im Auto unter Kumpeln zu palavern und das zu untermalen mit den wildesten Armschwüngen aus dem jeweiligen Seitenfenster. Für jene, die hinterherfahren müssen, ist das verflixt. Das Rudern vorn hat etwa den gleichen Effekt wie in der S-Bahn, wo man widerwillig mithorchen muss, wenn im nächsten Abteil jemand am Handy furchtbare Banalitäten absondert: Das Hirn füllt unweigerlich die akustisch unverständlichen Lücken. Auch beim Lautmalen mit den Armen.

Bitte, bring rasch Hilfe gegen diese neuste Form von Geltungssucht, Väterchen Frost!