Ein gesundes Kind, das wünschen sich alle Eltern. Auch jene drei Frauen, die wir gefragt haben, warum sie sich für oder gegen die Abtreibung des behinderten Ungeborenen entschieden haben. Sie sagten: Wir wissen, es gibt keine Garantie für ein gesundes Kind, es kann immer etwas passieren. Aber in diesem Moment konnten sie darüber entscheiden – nein, sie mussten.

Seit 2012 kann das Risiko für Trisomie 21 in der Schweiz mit einem Bluttest abgeklärt werden. Teilweise zahlt nun die Krankenkasse. Schwangere bezahlen ihn aber nicht selten auch selber, weil sie Sicherheit wollen – zumindest in dieser Frage. Das bestätigt der stellvertretende Chefarzt an der Frauenklinik des Inselspitals Bern, Luigi Raio. Doch er sagt: «Für die Frauen ändert sich nicht viel.» Jene, die mit einem behinderten Kind schwanger sind, würden nach der Diagnose noch immer ins Bodenlose fallen. Und dann müssen sie entscheiden. Alleine. Die pränatale Diagnostik wird zwar immer besser, aber entscheiden helfen, das wird sie nie können.

Es gibt in der Schweiz Richtlinien für Abtreibungen. Doch in der Frage, ob ein Paar ein behindertes, aber lebensfähiges Kind behalten soll, lässt die Gesellschaft die werdenden Eltern alleine. Es ist gut, dass man heute frei entscheiden kann. Aber für viele ist es die totale Überforderung. Die grösste Angst der Betroffenen ist es, am Entscheid zu zerbrechen. Es ist dringend nötig, dass öffentlich diskutiert wird. Darüber, wie Paare zu einem Entscheid gelangen. Und wie es jenen geht, die abgetrieben haben. Zwei Frauen haben mit uns darüber geredet. Aber nur anonym. Das sollte uns zu denken geben.