Die Swisscom will mit den grossen Tech-Unternehmen der Welt mithalten – und schielt gerne mal ins Silicon Valley. Das dort vorherrschende Credo beherrscht der Konzern schon ganz gut: Nichts geht über Scheitern. Nachdem die Swisscom schon mit der Etablierung des eigenen Messenger-Diensts iO floppte, gerät sie nun auch mit dem Speicher-Service MyCloud ins Straucheln. Aus Versehen hat das Unternehmen Daten von Nutzern unwiderruflich gelöscht. Betroffene Kunden, die der Swisscom etwa ihre Familienbilder anvertraut haben, müssen nun ohne diese Erinnerungen auskommen.

Nichts ist im Tech-Business gefährlicher als Stillstand. Wer innovativ sein will, muss Risiken eingehen. Dass er dabei auch scheitern kann, liegt in der Natur der Sache. Es ist löblich, wenn die Swisscom mit neuen Technologien wie selbstfahrenden Autos experimentiert und neue Dienste wie die Whatsapp-Alternative iO lanciert – auch wenn der Service am Markt durchfiel. Scheitern ist wichtig.

Doch nicht überall darf scheitern erlaubt sein. Dass die Swisscom wegen ihres stümperhaften Vorgehens Daten von Nutzern löscht, ist unverzeihlich. Die Panne mit MyCloud zeigt: Das Unternehmen hat sich überschätzt. Die Swisscom hat offenbar nicht die Ressourcen, neben ihrem Effort im Aufbau der 5G-Technologie auch einen sicheren Clouddienst zu entwickeln. Das Vertrauen der Nutzer ist das wichtigste Gut der Swisscom, nun ist es verspielt.

Vor zwei Jahren sagte Firmenchef Urs Schaeppi im Interview mit dieser Zeitung: «Längst nicht alle sind bereit, ihre Fotos bei Google oder Apple zu speichern. Es gibt Menschen, die wollen ihre Daten in der Schweiz behalten.» Nun muss man fragen: Wer ist noch bereit, seine Daten bei der Swisscom zu speichern?