Die SBB, Postauto und andere öffentliche Verkehrsbetriebe haben ein seltsames Verhältnis zu ihren treusten Kunden. Wer ein Generalabo hat, liebevoll GA genannt, zahlt dafür 3860 Franken im Jahr, muss sich aber laufend beschimpfen lassen: Sogenannte Vielfahrer kämen «zu billig» weg, würden das Preis-Leistungs-Verhältnis «ausnutzen» und «übermässig profitieren».

Abgesehen davon, dass längst nicht alle Käufer ihr GA amortisieren: Es ist schon allerhand, dass öV-Benutzer, von denen viele einen Monatslohn in das Generalabo investieren, als Schmarotzer hingestellt werden. Zumal so mancher Vielfahrer nicht freiwillig im Land herumpendelt, sondern weil sein Job dies erfordert – und weil die Strassen verstopft sind.

Nun wollen die vereinigten Monopolbetriebe das GA erneut verteuern, auf 4250 Franken. Das könnte sich rächen, insbesondere bei den unter 30-Jährigen, deren GA am meisten aufschlägt: Ausgerechnet ihnen, den klimabewussten Jugendlichen, soll der Einstieg in den öV erschwert werden. Und das angesichts neuer Konkurrenz durch Fernbusse und Uber-Taxis.

Phantasieloser gehts nicht. Der öV wird sich nicht mit pauschalen Preiserhöhungen in die Zukunft retten können, sondern mit Innovationen: neuen Abo-Formen und ticketlosem Fahren, an dem die Branche seit 15 Jahren tüftelt – seit kurzem läuft wieder ein Markttest. Das wird nur gelingen, wenn SBB & Co. ihre fleissigsten Nutzer nicht mehr mobben, sondern als das behandeln, was sie sind: Kunden.

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