Zufikon ist eine ländliche Gemeinde. Zwar ist man schnell in Zürich oder Baden, aber man wohnt immer noch auf dem Land. Das ist mir wieder einmal bewusst geworden, als ich vor ein paar Monaten Pizza backen wollte: Als ich in die Vorratskammer ging, um Mehl zu holen, rieselte nur ein dünnes Rinnsal weissen Pulvers aus der Packung. Kleine weisse Fussabdrücke und ein paar «Gegeli» verrieten den Übeltäter: Offenbar hatte sich eine Maus durch ein Loch in der Wand geschlichen und die ganze Packung Mehl verputzt. Ich nahm an, dass sich das Problem von selbst lösen werde, denn alle anderen Lebensmittel waren sicher und gut verpackt. Nachdem ich die Spuren beseitigt hatte, war die Sache für mich erledigt.

Auf Ostern hatte ich dann von meinen Eltern einen Schokoladen-Osterhasen bekommen. Nicht einen vom Grossverteiler, sondern vom Konditor. Als mich eines Abends die Lust auf Süsses packte und ich mich so richtig darauf freute, dem Ding die Ohren abzubeissen, wurde ich für meine Gutgläubigkeit bestraft. Vom Hasen war nichts mehr übrig. Gar nichts. Die Plastikverpackung vermochte die hungrige Maus nicht aufzuhalten. Die Lindor-Kugeln, die ebenfalls dort lagerten, waren zwar angeknabbert, aber offenbar schätzte die Gourmet-Maus Schokolade von höchster Qualität.

Jetzt hatte ich genug und borgte mir von meiner Vermieterin eine Mausefalle. Diese bestückte ich mit Käse, aber ein paar Tage lang passierte gar nichts – die Maus hatte wohl keinen Hunger mehr. Beim x-ten Kontrollgang stellte ich dann fest, dass sie es fertig gebracht hatte, das Stück Käse aus der Falle zu ziehen, ohne sich selbst hineinzubegeben. Ich liess mich nicht entmutigen und bestückte die Falle erneut. Und siehe da, am nächsten Morgen hockte die Maus im Käfig. Ich taufte sie Jerry. Ich brachte Jerry weit weg von meiner Wohnung und liess ihn in einem Feld frei, nahe der Emaus-Kapelle – vielleicht beichtet er dort, was er alles gefressen hat. Jerry blickte leicht ungläubig zurück, als er in die Freiheit entlassen wurde, sprang dann aber begeistert davon.

Weil ich mich wunderte, wie Jerry alleine einen Schokoladen-Osterhasen fressen konnte, der ein x-faches seines Körpergewichtes wog, geschweige denn eine ganze Packung Mehl, stellte ich die Falle erneut auf. Und siehe da, Maus Nummer zwei und drei konnten dem Käse auch nicht widerstehen. Trotzdem bleibe ich vorsichtig – Schokoladen-Osterhasen esse ich in Zukunft sofort auf.