Donald Trump ist grossspurig, Testosteron-gesteuert, leichtsinnig – und entspricht damit einem Bild des Klischee-Amerikaners. Mit Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium zeigt er «Appetit auf Zerstörung», um auf den Album-Titel von Guns N’ Roses zu verweisen, einer ebenso uramerikanischen Rockband.

Im Vergleich zu Trump ist der Sound der EU aber nicht Rock ’n’ Roll, sondern Fahrstuhlmusik. Politiker feilen an Kompromissen, tarieren Interessen bis zur Unkenntlichkeit aus. Verträge und internationale Regelwerke stehen über allem. Klar, dass sich Brüssel mit Trumps Kraftmeier-Politik schwertut.

Doch soll sich die EU der Aggression aus den USA widersetzen oder tut sie besser daran, den Forderungen nachzugeben? Immerhin ist die Stahlindustrie volkswirtschaftlich gesehen längst nicht mehr matchentscheidend. Europas Spitzenpolitikern geht es ums Prinzip.

Es geht um den Fortbestand des regelgebundenen Welthandels, dass man Verbündete mit Respekt behandelt und nicht einfach das Naturrecht herrschen lässt, wo sich der mit den grössten Muskeln nimmt, was ihm gerade beliebt. Darin liegt auch der Kerngedanke des Europäischen Projekts: Regeln bedeuten mehr als reine Macht.

Die nächsten Wochen werden zur Bewährungsprobe. Schafft es die EU, die Reihen geschlossen zu halten? Oder zerfällt sie wie üblich in den heterogenen Haufen, der eine gemeinsame Aussenpolitik verunmöglicht? Dann hiesse es nämlich ganz gemäss Guns N’ Roses: «Willkommen im Dschungel.»