Steuerpolitik ist trocken? Von wegen. Hinter jedem Steuerabzug steckt ein Motiv – besser gesagt ein Privileg. Mit Steuerabzügen will man die Welt ein bisschen verändern. Damit es mehr Hausbesitzer gibt, die Energiewende gelingt, die Gesundheitskosten anders verteilt werden oder die richtige Familienform unterstützt wird.

Anschauungsunterricht dazu lieferte der Nationalrat letzte Woche. Finanzminister Ueli Maurer sprach davon, mit einer Vorlage ein «ganz kleines Steuerproblem» zu lösen. Nämlich, negative Erwerbsanreize für Frauen zu mildern. Der Bundesrat schlug vor, den Steuerabzug für die Fremdbetreuung von Kindern auf 25 000 Franken zu erhöhen. Daraus entwickelte sich – natürlich – eine Grundsatzdiskussion. Die Grünen wollten verhindern, dass auch Eltern profitieren, die eine Nanny engagieren. Die SVP wollte den Abzug auch für Kinder zulassen, die zu Hause betreut werden und für die keine Kosten anfallen. Die Hüter der direkten Demokratie verdrängten, dass das Volk eine SVP-Initiative mit derselben Forderung mit 58 Prozent abgelehnt hatte. Vor allem aber stellte Maurer seine eigene Partei in den Senkel. An die Adresse von Thomas Aeschi, seinerseits bekannt als Sparapostel, sagte der SVP-Magistrat: «Sie können nicht einfach an einem Dienstagmorgen eine Milliarde aus der Bundeskasse freigeben ... das geht einfach nicht.»

Trotz Schelte heimste Aeschi einen halben Erfolg ein. Die SVP setzte nämlich die CVP, die sich ebenfalls als Hüterin der traditionellen Familie sieht, unter Zugzwang. Und so setzten die beiden Parteien mit der BDP einen Kinderabzug von 10 000 Franken durch. Kostenpunkt: 340 Millionen. Schnell ausgegeben an einem Dienstagmorgen. Der Steuerabzug ist für bürgerliche Politiker, was für Linke staatliche Subventionen sind. Ein Garant für Euphorie und Spendierfreude.

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