Der Streit um einen fairen Wohnungszins ist so alt wie die Mietwohnung selbst. Je nach Konjunktur und Verfügbarkeit bzw. Knappheit von Wohnraum sinken oder steigen die Preise. Dass der Durchschnittspreis selbst in Zeiten sinkender und rekordtiefer Hypothekarzinsen weiter leicht ansteigt, ist aber sehr erklärungsbedürftig.

Natürlich kommt laufend neuer – teurerer – Wohnraum dazu. Natürlich haben wir alle gern immer mehr Komfort, nutzen auch immer mehr Wohnfläche pro Person. Zudem steigt die Nachfrage im Kanton Aargau aufgrund der Zuwanderung aus dem Ausland und aus Nachbarkantonen. Und schliesslich sind Wohnungen an guter Verkehrs- und Aussichtslage besonders attraktiv, während ältere Wohnungen in peripheren Lagen weniger gefragt sind, selbst wenn sie sehr günstig sind.

Doch all dies vermag die grosse Schere, die sich in den letzten Jahren zwischen Hypothekar- und Wohnungszinsentwicklung geöffnet hat, nicht gänzlich zu erklären. Etliche Vermieter haben die verschiedenen Senkungen des Referenzzinssatzes durch den Bund schlicht nicht oder nur teilweise an ihre Mieterinnen und Mieter weitergegeben. Viele Mieter haben diese Senkung auch nicht eingefordert. Sei es, weil sie nicht wussten, dass sie das können. Sei es aus einer völlig unbegründeten Angst, deswegen aus der Wohnung fliegen zu können.

Der Mieterverband fordert jetzt eine Sanktionsmöglichkeit gegen Vermieter bei Nichtweitergabe einer solchen Zinssenkung. Ob dies etwas bringt, ist fraglich. Denn wenn sich ein Mieter wehrt und aufgrund einer Senkung des Referenzzinssatzes berechtigterweise eine tiefere Miete verlangt, hat er heute schon sehr gute Karten. Er muss es nur tun, er muss sich wehren. Dann bleibt ihm mehr Geld, um beispielsweise die Wohnung schöner einzurichten.