Kolumne

Mehr Frauen als Männer im Nationalrat: Gehört der Aargau bald zum einem exklusiven Kreis unter den Kantonen?

Möglicherweise hat der Aargau bald eine reine Männerregierung und ein männliches Ständerats-Duo. Im Nationalrat wären sie dann aber in der Minderheit.

Möglicherweise hat der Aargau bald eine reine Männerregierung und ein männliches Ständerats-Duo. Im Nationalrat wären sie dann aber in der Minderheit.

Die Favoriten für den zweiten Wahlgang der Aargauer Regierungs- und Ständeratswahlen sind Männer. Wenn sie sich durchsetzen, gibt es aber eine Art Kompensation dafür, wie unser Kolumnist Hans Fahrländer bemerkt hat.

Viele Bewohner und vor allem Bewohnerinnen des schönen Kantons Aargaus sehen mit Sorge dem 24. November entgegen. Setzen sich im zweiten Wahlgang der Ständerats- und der Regierungsratswahlen die in Front liegenden Favoriten durch, dann haben wir für mindestens ein Jahr (bis zu den Gesamterneuerungswahlen) eine frauenlose Regierung und für vier Jahre ein frauenloses Ständeratsduo (okay, 2011 bis 2015 hatten wir ein Frauen-Duo). Doch die Göttin der Wahlarithmetik hält für diesen Fall ein Kompensations-Zückerchen bereit. Und das geht so.

Fünf der sechs Kandidierenden für Runde 2 sind wieder oder neu gewählte Nationalratsmitglieder (Ausnahme: Ruth Müri). Wer von ihnen in den Regierungs- oder in den Ständerat gewählt wird, schafft Platz für Nachrückende auf den Nationalratslisten. Den ersten Ersatzplatz besetzen bei allen noch am Rennen beteiligten Parteien – ausser der CVP – Frauen.

Vielleicht starten Ruth Müri oder Marianne Binder noch eine Aufholjagd. Wenn aber nicht – dann katapultiert sich der Aargau dafür in den exklusiven Kreis jener Kantone, die mehr Frauen als Männer in die grosse Kammer schicken. «9 Nationalrätinnen und 7 Nationalräte» lautet dann die neue Aargauer Zauberformel. Bitte nachrechnen, es stimmt!

Und zum Schluss noch dies: Im Sommer habe ich mich an dieser Stelle mit Ennetbaden befasst. Anlässe waren der 200. Geburtstag und ein Porträt in der «Tagesschau», in welchem sich die Leutschenbacher gewundert hatten, dass das schöne Dorf am Rebhang «zur Agglo gehört, aber links tickt». Ich habe hierauf relativiert: Die Ennetbadener wollten kaum den Kapitalismus überwinden, sie tickten eher linksliberal, Ständeratskandidat Wermuth werde in Ennetbaden kaum viele Stimmen machen.

Nicht ohne maliziösen Unterton hat mir nun Cédric Wermuth die Ergebnisse der Ständeratswahlen vom 20. Oktober für Ennetbaden übermittelt. Sie lauten: 1. Wermuth, 633 Stimmen. 2. Müri, 577. 3. Burkart, 527. 4. Binder, 348. 5. Knecht, 247.

Sorry, liebe Ennetbadener, dass ich Euer linkes Potenzial unterschätzt habe! Und sorry, lieber Cédric Wermuth – ich habe im Prognostizieren definitiv noch Luft nach oben. Übrigens, Ennetbadener sind nicht nur Linke, sie sind auch Musterdemokraten: Die Stimmbeteiligung lag hier bei rund 65 Prozent, 20 Prozent höher als im Restaargau und der Restschweiz.

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