Seit Donald Trump auf Protektionismus schwört und mit seinem Slogan «America first» glaubt, mittels einer Importbremse die US-Wirtschaft ankurbeln zu können, setzt die Schweizer Industrie noch intensiver als bisher auf China. Das vor zwei Jahren abgeschlossene Freihandelsabkommen mit China löst zwar nicht alle Probleme, aber durch das Wegfallen der Zölle ist eine wesentliche Schranke aus dem Weg geräumt. Im 2016 sind denn auch die Ausfuhren nach Festlandchina um zehn Prozent auf annähernd zehn Milliarden Franken gestiegen.

Fragt man exportierende Firmen, was denn so die Hauptschwierigkeiten im Handel mit China sind, werden zwar allerlei Argumente vorgetragen, technische Handelshemmnisse beispielsweise oder die Bürokratie, doch das dominierende Thema ist die Kommunikation. Chinesische Geschäftspartner können keine Fremdsprachen, Englisch als Lingua franca hilft nur in seltenen Fällen weiter, Dolmetscher sind rar, und gerade wenn es um technische Belange geht, stossen diese oft an Grenzen.

Das gilt auch für die Tourismusindustrie. Rund eine Million Chinesen kommen dieses Jahr in die Schweiz. Nur aus Deutschland und den USA reisen mehr Menschen in unser Land. Deshalb hat Hotellerie Suisse zusammen mit Schweiz Tourismus Anfang Jahr eine Anleitung publiziert, aus der Touristiker und Hoteliers das Einmaleins im Umgang mit Chinesen lernen können, eine Broschüre, die sich auch prima für nach China exportierende Unternehmer und Manager eignet. Doch selbstverständlich löst eine Broschüre keine Kommunikationsprobleme, dazu wären Sprachkenntnisse nötig. An den hiesigen Unis werden praktisch überall Chinesischkurse angeboten, und viele Studierende wissen genau, dass nur schon rudimentäre Kenntnisse in Mandarin ihrem Curriculum Vitae einen besonderen Glanz verschaffen. Doch angesichts des Aufwands bleibt es meist beim Versuch, der auch bald wieder abgebrochen wird.

Zumindest teilweise eine Lösung böte sich trotzdem. An den Schweizer Hochschulen studieren ein paar tausend Chinesinnen und Chinesen, allein an der ETH Zürich sind es über 500, die fliessend Deutsch, Französisch oder Englisch sprechen. In den grossen Unis in China, namentlich in Schanghai und Peking, werden Studenten gezielt angehalten, europäische Sprachen zu büffeln, damit sie in Europa studieren können. Das Ziel ist klar. China will in der Forschung weiterkommen, will mit der internationalen Spitze mithalten können. Viele dieser Studenten würden anschliessend an ihr Studium gerne ein paar Jahre für Schweizer Unternehmen arbeiten. Sie wären eine enorme Hilfe, um Sprachprobleme zu lösen. Doch da beginnt das Problem. Die Kontingente für Arbeitsbewilligungen für Personen aus Drittstaaten (ausserhalb der EU) sind kaum vorhanden, und die Wirtschaft beklagt sich seit langem, sie bekomme nicht genügend Bewilligungen.

Konkret hat der Bundesrat für dieses Jahr 7500 Aufenthaltsbewilligungen für Erwerbstätige aus Drittstaaten genehmigt (1000 mehr als 2016), 4500 für Kurzaufenthalter (max. ein Jahr) und 3000 für unbefristete Erwerbstätigkeit. Von den letzteren entfallen auf die Kantone 1250 (für Zürich sind das 252, für die Waadt 98, für den Aargau 85, für Baselland 39, für Solothurn 37). 1750 Bewilligungen hat der Bund für sich reserviert, die er Kantonen zusätzlich nach Bedarf zur Verfügung stellen kann. Diese Arbeitsbewilligungen werden nicht nach Ländern oder Berufsgruppen aufgeschlüsselt, sondern sie werden nach dem Prinzip «first come, first served» verteilt, und sie gelten für alle möglichen Berufe, für Artisten, Künstler oder Religiöse genauso wie für IT-Spezialisten, Köche oder Chemiker.

Diese starke Begrenzung für Personen aus Drittstaaten führt dazu, dass chinesische Studenten nur in seltenen Ausnahmefällen nach ihrem Studium in der Schweiz bleiben können. Das ist doppelt absurd. Erstens finanzieren wir China die Ausbildung ihrer Spitzenkräfte (und exportieren damit unentgeltlich Know-how), und zweitens nutzen wir deren Fach- und Sprachkenntnisse nicht, welche der Schweizer Industrie zu Geschäften verhelfen könnte. Wenn der Bund sich schon ins Zeug legt für die Exportindustrie, müsste er nach A auch B sagen und Voraussetzungen schaffen, dass unsere Exportfirmen die gebotenen Chancen auch umsetzen können. Mit befristeten Spezialbewilligungen für chinesische Studenten, beispielsweise auf maximal drei Jahre, wäre das zu lösen.