Allein unter Frauen» – so lautete der Titel des «NZZ»-Porträts über einen Studenten der Pädagogischen Hochschule Zürich. Kein Wunder, er ist in seinem Jahrgang der einzige (!) Mann, der Kindergärtner werden will. Ein ähnliches Bild zeigt sich an jeder Ausbildungsstätte: Je jünger die zu unterrichtenden Kinder, desto tiefer ist der Männeranteil.

Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren: Der gedeckelte Lohn und die beschränkten Karriereaussichten mögen mitspielen. Entscheidender dürfte aber das Image des Lehrerberufs auf Kindergarten- oder Primarstufe sein. Es ist bezeichnend, dass der erwähnte Kindergärtner ständig die völlig irrelevante Frage «Bist du schwul?» beantworten muss. Ein jugendlicher Macho denkt angesichts des stereotypen Softie-Rufs gar nicht erst daran, sich zum Primarlehrer ausbilden zu lassen.

Genau dort muss man ansetzen. Es braucht ein Umdenken über die Geschlechterrollen in der Arbeitswelt. Den klassischen «Frauen-Beruf» oder «Männer-Job» darf es in einer gleichberechtigten Gesellschaft nicht mehr geben – sofern die körperlichen Voraussetzungen keine Rolle spielen. Was spricht gegen die Garagistin? Was gegen den Floristen? Das geht nicht von heute auf morgen, aber jeder von uns muss sich die unangenehme Frage stellen, ob auch er oder sie mit einem Klischee im Kopf herumläuft.

Die Vorteile eines Gesinnungswandels sind vielfältig: Nicht nur können volkswirtschaftlich schädliche Stellen-Engpässe besser behoben werden, auch macht es die leidige Quotendiskussion und damit politische Fördermassnahmen überflüssig – ob für den Primarlehrer oder die Topmanagerin.