Für Liebesschwindler ist das Internet-Zeitalter wahrlich ein goldenes Zeitalter: Hormone waren schon immer ein gutes Mittel, um den Verstand potenzieller Opfer zu deaktivieren und sie um ihr Geld zu bringen. Doch jetzt, wo immer mehr Menschen online nach der grossen Liebe suchen, sind die Möglichkeiten grenzenlos. Distanz ist nichts mehr, was einen Flirt verhindern könnte.

Und ein Verbrechen schon gar nicht. Als besonders erfolgreich erweist sich der sogenannte Romance Scam, der Betrug mit dem Liebesversprechen. Die Täter suchen sich ihre Opfer auf Dating-Seiten und umgarnen sie mit blumigen Worten. Haben sie sich das Vertrauen erst erschlichen, geht es nur noch ums Geld.

Romance Scam ist eines der Internet-Delikte mit den höchsten finanziellen Verlusten. Die Schweizer Behörden verzeichnen eine wachsende Zahl entsprechender Meldungen. Diese widerspiegeln allerdings nur einen Bruchteil der Realität, die Strafverfolger sprechen von einer immensen Dunkelziffer.

Es ist ein Teufelskreis: Betroffene scheuen sich oft, den Betrug anzuzeigen. Zu gross ist ihre Scham, dass sie auf eine solche Masche hereingefallen sind. Gleichzeitig können die Behörden ihren Bedarf an zusätzlichen Ressourcen im Bereich der Cyberkriminalität kaum rechtfertigen, wenn sie gar nichts zu ermitteln haben.

Um für das Problem zu sensibilisieren, braucht es aber vor allem auch mehr Verständnis für die Opfer von Romance Scam. Denn ob jemand auf den Liebesschwindel hereinfällt, ist beileibe keine Frage der Intelligenz. Gegen die Kraft der Gefühle lässt sich wenig ausrichten.