Die Clariant-Führung befindet sich auf Konfrontationskurs. Der Chemiekonzern unter der Leitung von Chef Hariolf Kottmann erteilt fast sämtlichen Forderungen des aktivistischen Investors White Tale eine Absage. Hinter White Tale stehen zwei US-Industrielle und ein Hedgefonds-Manager. Das Trio hielt nichts von der geplanten Fusion zwischen Clariant und dem US-Konkurrenten Huntsman, baute seine Beteiligung an der Baselbieter Firma auf über 20 Prozent aus und brachte so das Vorhaben zu Fall.

Der nun über vier Monate dauernde Streit hat auf beiden Seiten Verletzungen hinterlassen – auch auf persönlicher Ebene.Clariant wirft White Tale vor, die Chemiefirma zerlegen zu wollen, um so eine möglichst hohe Rendite herauszuholen. Da das US-Trio bis heute seine Absichten nicht klar formuliert hat, kann man der Clariant-Spitze nicht verübeln, dass sie der Gegenseite böse Absichten unterstellt.

Andererseits muss sich Clariant vorwerfen lassen, die Konfrontation mit White Tale nun absichtlich zu suchen. Schliesslich hätte die Führung der Firma den Amerikanern stärker entgegenkommen können und etwa zwei statt nur eines Verwaltungsratssitzes anbieten können. So hätte die Firmenspitze zur Entspannung des Konflikts beitragen können, statt ihn weiter zu schüren.

Doch nun fährt die Firma eine Risikostrategie. Schafft sie es nicht, genügend Unterstützung zu organisieren, droht ihr die Abwahl an der nächsten Generalversammlung. Dies kann nicht im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter sein.