Apropos

Live unterwegs mit Grabräubern

Sensation! Das wirkt. Vor allem zusammen mit dem Prädikat «erstmals ...». Also erstmals konnte die Menschheit live dabei sein, wenn Archäologen «bei einer Expedition vor laufender Kamera» einen Sarkophag öffnen und darin «eine Mumie entdecken».

Toll und populär und lehrreich, denkt man sich. Aber irgendwie bekommt man beim ganzen Spektakel auch so seine Zweifel: Woher wissen die «Forscher», dass ausgerechnet dieser Sarkophag, von dem sie Arbeiter den Deckel lüften lassen, so reichhaltig bestückt ist? Schliesslich hat man in Minja am Nil 40 Mumien entdeckt. Warum liegt auf der Mumie so wenig Dreck? Warum kann der ägyptische Ex-Minister für Altertümer, Sahi Hawass, ohne zu zögern in Superlative ausbrechen, «wonderful» rufen, sich ohne wissenschaftliche Skrupel einfach ein Stück herausgreifen und im Brustton der Überzeugung «This is gold», in die Kamera hauchen?

Vor lauter Superlativen gingen bei dieser Sendung wissenschaftliche Distanz und Vorsicht flöten. Man glaubte eher Grabräuber als Archäologen am Werk. Vielleicht lag man mit diesem Eindruck gar nicht so daneben. Ziel der Sendung ist der Profit: Ägypten braucht dringend wieder Millionen mehr Touristen. Ob das mit dermassen plumpen Pharaonen-Fantasien gelingt?

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