Polemik

Literaturvöllerei

Rund 10'000 Bücher erscheinen jedes Jahr in der Schweiz.

Rund 10'000 Bücher erscheinen jedes Jahr in der Schweiz.

Es ist wieder so weit. Jeden Morgen, wenn ich ins Büro komme, türmen sich die Päckchen und Pakete an meinem Arbeitsplatz. War ich ein paar Tage auswärts unterwegs, verschwindet das Pult unter der Päckchenflut. Und meine Kollegen bekommen Stielaugen. Bei Dir ist ja jeden Tag Weihnachten, sagen sie.

Die Herbstbücher treffen ein. Rund 100 000 neue Buchtitel erscheinen jedes Jahr in zwei Schüben auf dem deutschsprachigen Markt, in der Schweiz sind es rund 10 000. Und alle werden mit orgiastischen Ergüssen angepriesen: mit Bestseller- und Bestenlisten rund um die Welt, Literatur- und Förderpreisen, mit Lobeshymnen befreundeter Top-Shot-Autoren, mit Superlativen der Verlagsprosa. Himmel hilf: Wer soll das alles lesen! Wie die Auswahl treffen? Und wie besprechen? Mit zwei bis drei Literaturtexten pro Woche schafft man gerade mal rund 150 Bücher im Jahr.

Es ist die totale Überforderung. Ich weiss, als Literaturredaktorin dürfte ich das nicht sagen. Aber es ist der Moment, wo ich denke: ICH HASSE BÜCHER. Wie bei einem Weihnachtsfest, bei dem ich mich total überfressen habe.

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