Die Bahn fährt schneller und häufiger durch den Gotthard. Das ist erfreulich. Diese Fahrten belasten aber das schweizerische Schienennetz zusätzlich. Mit 9000 Zügen pro Tag stösst es mittlerweile an seine Grenzen.

Diese starke Belastung hat Folgen. Fällt einmal ein Zug oder gar ein Streckenabschnitt aus, stellt sich schlagartig ein Dominoeffekt ein. Andere Züge werden beeinträchtigt, rasch sind viele Reisende betroffen. Das hat sich in den letzten Wochen gleich mehrfach gezeigt. Pendler berichten von Verspätungen, von ausgefallenen Zügen – und ärgern sich entsprechend.

Die SBB galten bislang als pünktlichste Bahn Europas. Darauf ist die Schweizer Bevölkerung zu Recht stolz. Entsprechend gross ist hierzulande auch der Anteil jener, die den öffentlichen Verkehr nutzen. Die hohe Zuverlässigkeit darf aber nicht ins Wanken geraten, bloss weil manche gern rasch süd- wärts sausen und die SBB dabei neue Einnahmequellen suchen. Klar ist ein «Superveloce»-Zug nach Mailand ange- nehm. Doch wenn man mal eine längere Reise unternimmt, fallen die Minuten weniger ins Gewicht, als wenn man jeden Werktag dieselbe Strecke fährt.

Das Gros der Passagiere nutzt die Bahn nämlich für die Fahrt zur Arbeit. Sie sind die treusten Kunden. Ihnen heisst es Sorge tragen, das ist guter Service public. Sind sich die SBB dessen bewusst? Wenn die Pendler den Bahnverantwortlichen bei einem Zugsausfall nicht einmal eine Lautsprecherdurchsage auf dem Perron wert sind, muss man daran zweifeln.