Gastkommentar

Lieber eine Lehrerin im Bikini als eine, die nicht weiss, was Instagram ist

Die Erlinsbacher Primarlehrerin Morena Diaz postet Bikini-Bilder auf Instagram gegen Body-Shaming. Zehntausende Menschen folgen ihr auf der Social-Media-Plattform. Dafür musste sie Kritik von der Lehrerverbands-Präsidentin Elisabeth Abbassi einstecken. Der Kommentar.

Morena Diaz aus Oberentfelden polarisiert. Über 60'000 Fans folgen der 24-Jährigen auf Instagram. Dort postet die Aargauerin regelmässig Bilder von sich. Mal tanzend im Bikini am Strand, mal beim Glace essen, mal keck mit knallroten Lippen posierend. Morena Diaz ist eine junge, hübsche Frau und ihre Fotos sind schön anzusehen.

Früher habe sie Komplexe wegen ihres Körpers gehabt, sagt sie. Heute sei sie stolz auf ihre Rundungen. Mit ihren Bilden wolle sie ein Zeichen gegen den Schlankheitswahn setzen. Der Trend von «Body Positivity», einer Gegenbewegung zum Fitness- und Schönheitswahn, ist an sich nichts neues.

Sogar Hollywood-Stars wollen inzwischen zeigen, dass sie nicht perfekt sind. Die sozialen Medien werden überschwemmt mit Bildern von ungeschminkten Stars, Models mit Cellulitis oder den Fettpölsterchen von Schauspielerinnen.

Dass sich nun auch eine junge Primarlehrerin in den sozialen Medien für ein positives Körpergefühl einsetzt, wäre eigentlich nichts Brisantes.

Kritik von Lehrerverbands-Präsidentin

Doch Diaz ist nicht nur Instagram-Star, sie ist auch Primarlehrerin. Im Aargauischen Erlinsbach unterrichtet sie Erstklässler. Und dort gefällt es nicht allen, dass Diaz auf Instagram freizügige Fotos von sich veröffentlicht. Die Präsidentin des Aargauischen Lehrerverbands, Elisabeth Abbassi, sagte etwa: «Die Fotos könnten ein schlechtes Bild bei den Eltern der Schüler abgeben.»

Und: «Morena Diaz macht sich das Leben bei einer zukünftigen Stellensuche als Lehrerin durch ihren Auftritt selbst schwer.» Und so ist in den letzten Tagen eine Diskussion darüber entfacht, ob die junge Lehrerin im Internet nun freizügige Fotos von sich veröffentlichen darf oder nicht.

Kann eine Lehrperson den Kindern ein gutes Vorbild sein, in Zeiten von Sexting und Cyber Mobbing, wenn sie sich selbst freizügig auf einer öffentlich zugänglichen Plattform zeigt? Ja, kann sie! Mehr noch: Von niemand anderem können Diaz’ Schüler den Umgang mit den sozialen Medien besser lernen, als von ihr.

Denn genau das ist es, was es braucht: Lehrpersonen, die eine hohe Affinität für die technologischen Entwicklungen haben, die verstehen, wie das Internet funktioniert und wie man es nutzt. Es braucht Lehrer, die wissen, was man unter Twitter, Facebook, Snapchat, WhatsApp oder Instagram versteht und wie damit umzugehen ist.

Sich mit erhobenen Händen gegen etwas wehren, das schon lange mitten in unserer Gesellschaft angekommen ist, ist nicht nur peinlich, sondern auch verheerend für die Schüler. Denn es ist wahr: die Gefahren des Internets sind nicht zu unterschätzen. Es gibt schreckliche Geschichten, die davon erzählen, was passieren kann, wenn die falschen Bilder oder Videos im Internet landen.

Darum müssen die Schüler früh sensibilisiert werden. Sie müssen lernen, welche Fotos sie auf Facebook posten dürfen und welche eben nicht. Wer schimpft, dass Bikini-Bilder einer Lehrerin frivol seien, ist schlichtwegs prüde. Wie sonst, wenn nicht im Badekleid oder im Bikini, soll
Diaz im Sommer baden gehen? Im Ganzkörperburkini?

Geht sie mit ihren Schülern an einem heissen Tag in die Badi, bekommen sie ihre Lehrerin – Gott bewahre – wohl auch in einem Bikini zu Gesicht. Dass Diaz darüber hinaus kein Problem damit hat, ihren Körper so zu zeigen, wie er ist, macht sie nur noch mehr zu einer Lehrperson, an der sich so manch eine andere ein Beispiel nehmen kann.

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