Grenacher

Liebe Frau Schwarzelühr

Rita Schwarzelühr-Sutter.

Rita Schwarzelühr-Sutter.

Wir genossen letzten Sonntag im Restaurant Fischereihafen in Hamburg den nach wie vor besten Hummer, der in Deutschland serviert wird. Am Nebentisch gabelte Scherzkeks Otto Waalkes mit blonder Begleitung gebratenen Steinbutt und Gurkensalat und wir stiessen mit Riesling auf das Leben an.

Kurzum: Die Schweizer Wahlergebnisse waren uns in diesem Moment ziemlich schnuppe, hinter dem Hafen dampfte das Kohlekraftwerk Moorburg, dass es eine Freude war – und plötzlich kamen Sie mir in den Sinn, Frau Rita Schwarzelühr-Sutter.

Nun muss dem Publikum vielleicht kurz erklärt werden, wer Sie sind: Als Kind der Anti-Atombewegung 1962 in Waldshut geboren, ein bisschen studiert, ein wenig im Marketing gearbeitet, dann Mitarbeiterin einer Politikerin, deren Bundestagsmandat Sie 2005 erbten. Seit 2013 sind Sie Parlamentarische Staatssekretärin im deutschen Umweltministerium, ein hohes Tier also.

Ihren Wohnsitz haben Sie noch immer in Waldshut-Lauchringen, quasi gegenüber dem Fricktal, das Sie irgendwie zu stören scheint: Gegen den Fluglärm an unserem Himmel nölten sie schon, gegen die geplanten Endlagerstandorte für radioaktiven Müll bei uns, gegen unsere Kernkraftwerke.

Jetzt haben Sie unserer Umweltministerin Sommaruga einen Brief geschrieben und verlangen die rasche Abschaltung des Kernkraftwerkes Beznau und «zeitnah» nach deutschem Diktat auch die Betriebseinstellung aller anderen Atommeiler: «Aus meiner Sicht ist es zwingend, dass die Schweiz bei Entscheidungen über längere Laufzeiten ihrer Atomkraftwerke die Bevölkerung ihrer Nachbarstaaten einbezieht.»

Liebe Frau SchwarzelührSutter, da haben sie für einen kurzen Moment vergessen, wie es ennet dem Rhein so läuft. Noch entscheiden wir derzeit souverän, ohne Rahmenabkommen und fremde Mächte, was wir tun – und lassen unsere Nachbarn in Frieden.

So stört uns auch nicht, dass Sie in Deutschland weiter Kohlekraftwerke betreiben – wie jenes in Moorburg am Hamburger Hafen, das jährlich 8,5 Tonnen Kohlendioxid auf die Menschheit pustet.

Aber ich würde trotzdem zuerst zu Hause Ordnung schaffen. Und nie Befehle ins Ausland versenden.

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