Mensch & Medien

Lernen von der Schweiz

Wenn Schweizer Protagonisten in deutschen Medien zu Wort kommen, sind die Muster häufig vorgegeben. Entweder sie spielen den Part des kurligen Zeitgenossen mit dem schweren und schwer verständlichen Zungenschlag. Oder sie treten als eloquente Scharfmacher auf. Diese Rolle besetzte in den vergangenen Jahren häufig «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel, allerdings mit zunehmenden Abnutzungserscheinungen.

Nun scheint der Eidgenosse auch zum Volkslehrer zu taugen. Einen Eindruck davon lieferte das NDR-Medienmagazin «ZAPP». Dieses ging der Frage nach, weshalb die NZZ in Deutschland ein höheres Ansehen hat als die eigene Elitepresse. Es fragte, ob dies mit einem Rechtsruck des Zürcher Blattes zu tun habe. Nein, erklärte der in Berlin lebende Ringier-Emeritus Frank A. Meyer: In der NZZ werde, wie in der Schweiz üblich, ein liberaler Diskurs gepflegt, der auch Stimmen zulasse, die in Deutschland kaum Gehör fänden. Das sass und wurde gehört.

Vergangene Woche war die Schweiz erneut mediales Vorbild. Vor der «No Billag»-Abstimmung zweifelten deutsche Journalisten an der Klugheit, einer Volksabstimmung anzuvertrauen, ob das Land noch einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben werde. Nach der Abstimmung waren sie des Lobes voll, auch darüber wie sachkundig die Debatte letztlich ablief. Ein Diskurs, den sie der eigenen politischen Kaste kaum zutrauen. Das Magazin «Horizont» titelte: «Lernen von der Schweiz».

Viel dürfen sich die Schweizer darauf allerdings nicht einbilden. Steigt es ihnen zu Kopf, sind sie rasch wieder darauf reduziert, was sie bereits waren: skurril oder arrogant quer.

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