Es dauerte lange, bis die Negativzinsen ihre Wirkung entfalteten. Doch spätestens seit Anfang Jahr scheint klar, dass die grossen Anleger den Franken meiden. Offenbar gibt es für die Pensionskassen aus dem In- und Ausland trotz den gewaltigen Turbulenzen an den Börsen weltweit derzeit bessere Möglichkeiten, das Geld anzulegen, als es in die Schweiz zu bringen und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) einen Strafzins als Parkgebühr zu bezahlen. Diese Entwicklung hilft der Exportindustrie kurzfristig sicher:
Der Franken wird nicht bei jeder Krise gleich «künstlich» stark gemacht. Im Gegenteil. Es sieht wirklich so aus, dass der Franken schrittweise schwächer wird.

Dass Negativzinsen gleichwohl ein ausserordentliches Mittel bleiben müssen, scheint klar. Es kann nicht sein, dass das Sparen gegenüber dem Schuldenmachen derart ungleich behandelt wird. Wird das für längere Zeit durchgezogen, schafft es Fehlanreize und bringt das ganze System durcheinander. Und die Situation wird auch nicht dadurch besser, wenn nach der Schweizer Nationalbank und der Europäischen Zentralbank nun auch die Japanische Zentralbank Negativzinsen einführt.

Kurzfristig heisst es also Durchatmen. Der Schaden, der durch die Aufhebung des Mindestkurses angerichtet wurde, wird dadurch nicht kleiner. Das Konsumentenklima ist angesichts steigender Arbeitslosigkeit gesunken. Investitionen in die Schweiz nehmen ab. Das bekommen alle Branchen zu spüren. Die Schweiz bleibt angesichts der Turbulenzen an den Weltmärkten nicht vor Rückschlägen gefeit. Bekommen europäische Firmen die Krise in China zu spüren, wird es noch einmal ruppiger – auch für die Schweiz.